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Initiativbewerbung statt Vitamin B

70 Prozent aller offenen Stellen werden nicht öffentlich ausgeschrieben. Neben Vitamin B sind Initiativbewerbungen das beste Mittel, um diesen verdeckten Stellenmarkt zu nutzen. Ein Praxisbeispiel sowie fünf Tipps, was es bei dieser speziellen Bewerbungsform zu beachten gilt. 

Sieben von zehn Stellen werden heute nicht mehr öffentlich ausgeschrieben. Wer diesen verdeckten Stellenmarkt für sich nutzen will, soll auf Networking bzw. Vitamin B setzen. So lautet zumindest die gängige Empfehlung. Daran ist auch nichts falsch, allerdings sind nicht alle Stellensuchenden die idealen Netzwerk-Typen. Zudem braucht der Aufbau eines Netzwerkes seine Zeit. Was kann eine Bewerberin in diesen Fällen tun? Initiativbewerbungen bieten eine gute Alternative. Mit diesen fünf Tipps gelingen sie. 

Tipp 1: Gezielte Initiativbewerbung 

Eine Initiativbewerbung sollte nicht unkontrolliert an zig unterschiedliche Firmen geschickt werden. Die Bewerberin kann sich vielmehr vorgängig überlegen, welche Unternehmen für sie reizvoll sind. Damit fällt es ihr später auch leichter, ihre Motivation im Bewerbungsschreiben zu formulieren. 

Tipp 2: Vollständige Unterlagen

Viele Stellensuchende meinen, bei Initiativbewerbungen genüge ein Kurzprofil bzw. ein Kurzlebenslauf. Diese Regel gilt allerdings selten für Schweizer Unternehmen. Die meisten Personalverantwortlichen bevorzugen es, auch bei Initiativbewerbungen vollständige Unterlagen zu erhalten – also inklusive Arbeitszeugnisse und Diplome. Nur so können sie sich ein umfassendes Bild über die Bewerberin machen. 

Tipp 3: Aussagekräftiges Anschreiben

Gerade bei einer Initiativbewerbung ist ein knackiger, aussagekräftiger Bewerbungsbrief sehr wichtig. Sein Inhalt unterscheidet sich allerdings von dem „normaler“ Bewerbungen (siehe auch Praxisbeispiel): 
Einstieg: Beim Einstieg sollte die Bewerberin ausführen, warum sie sich gerade bei dieser Firma bewirbt. Was ist ihre Motivation, um dort zu arbeiten? Wie ist sie auf die Firma gekommen?

Hauptteil: Beim Hauptteil ist es wichtig, der Firma die gewünschte Position zu vermitteln. Welche Funktionen kommen für die Bewerberin in Frage? Welches Pensum strebt sie an?

Anschliessend kann die Bewerberin ihre fachlichen und persönlichen Qualitäten angeben, die sie für die gewünschte(n) Funktion(en) auszeichnen. Aber Vorsicht: Auch bei Initiativbewerbungen empfiehlt es sich dabei nicht, den Lebenslauf zu wiederholen. 

Tipp 4: Maximal zwei PDFs

In der Regel schauen sich Personalverantwortliche bei einer Bewerbung erst den Lebenslauf an, um die Qualifikationen der Bewerberin mit dem Anforderungsprofil der Stelle zu vergleichen. Bei einer Initiativbewerbung gibt es allerdings kein solches Anforderungsprofil. Darum ist hier der Bewerbungsbrief auch viel wichtiger als bei einer «normalen» Bewerbung. 

Damit der Bewerbungsbrief aber überhaupt gesehen wird, empfiehlt es sich, zwei PDF’s zu schicken. Das erste beinhaltet allenfalls ein Deckblatt, gefolgt vom Bewerbungsschreiben und dem Lebenslauf. Im zweiten PDF werden die Arbeitszeugnisse, Diplome und Zertifikate übermittelt. Auf diese Weise sorgt die Bewerberin dafür, dass die Personalverantwortlichen zumindest über den Bewerbungsbrief scrollen, um zum Lebenslauf zu gelangen. Fällt der Bewerbungsbrief dann durch eine gute gewählte Headline auf und ist er treffend formuliert, so stehen die Aussichten gut, dass er auch gelesen wird. 

Tipp 5: Nachhaken

Mit dem Abschicken der Initiativbewerbung alleine ist es nicht getan. Es empfiehlt sich, nach rund zwei Wochen telefonisch nachzufragen, wie die Chancen auf eine Stelle stehen und wie die Unterlagen angekommen sind.  

Praxisbeispiel einer Initiativbewerbung

So könnte ein Bewerbungsbrief für eine Initiativbewerbung aussehen: 

Initiativbewerbung

Die Initiativbewerbung wird auch Spontan- oder Blindbewerbung genannt. Sie nutzt den verdeckten Stellenmarkt und orientiert sich damit nicht an einer öffentlichen Stellenausschreibung. Sie wird also „blind“ an ein Unternehmen gerichtet. In den meisten Fällen erfolgt eine Initiativbewerbung schriftlich. Aber auch das unangemeldete Vorbeibringen von Bewerbungsunterlagen oder eine telefonische Anfrage kann als Initiativbewerbung gelten.

 

 

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Andrea Kern zeigt Stellensuchenden, wie sie sich kreativ und mit Stil von ihren Mitbewerbenden abheben können. Sie ist Inhaberin von Wort & Stil: kreative Bewerbungen und Texte, ehemalige Leiterin Personaldienst, HR-Fachfrau und Ausbilderin mit eidg. Fachausweis sowie PR-Redaktorin.

wortundstil.ch

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