Gestaltung von Korrespondenz

Kleines 1x1 der Tabellen

Tabellen zu schreiben, ist nach dem Zehnfingersystem scheinbar das Einfachste der Welt. Tabellarische Vorlagen werden von Excel oder Word fleissig benützt. Solche Allerweltstabellen sehen eigentlich fast immer zum Gähnen aus. Lernen Sie hier, wie tabellarische Darstellungen aufgepeppt werden.

Bei Tabellen in Offerten, Rechnungen, Geschäftsberichten oder Formularen geht es um die übersichtliche Darstellung von Texten, die mit Zahlen angereichert sind. Linien und Flächen helfen, zu gliedern und optisch zu stützen. Es gibt ein paar grundlegende Regeln.

Linien

Linien üben eine optische Stützfunktion aus. Es ist bedeutungslos, ob sie über oder unter dem Text liegen. Wenn eine tabellarische Darstellung ohne Linien von links nach rechts zu grossen Augensprüngen führt, verliert man von der Textgruppe links (Angebot) zur Zahl rechts (Preis) die Orientierung, das Auge verliert sich in der Zeile. In der Tabelle ist die waagrechte Linie wichtig, weil Tabellen immer entlang einer Zeile horizontal gelesen werden. In einer Rechnung oder Offerte liest niemand zuerst alle Texte senkrecht hinunter und anschliesssend die Beträge. Wer alle senkrechten Linien einmal versuchsweise löscht, wird feststellen, dass die Darstellung leichter, offener, luftiger und moderner wirkt.

Der voreingestellte Wert in Office-Anwendungen ist 1 Punkt, was zu dick ist. Die Linien haben eine dezente Führungsfunktion und dürfen die Schrift optisch nicht «übertrumpfen»; eigentlich sollte man sie fast nicht sehen, da sie keine Informationen enthalten. Leider ist gerade die 1-Punkt-Linie stark verbreitet, was zum Beispiel alle Excel-Tabellen zu wuchtig erscheinen lässt, weil sie dort gehäuft auftreten. Wer die Linienstärke von 1 Punkt auf ½ oder ¼ Punkt zurücknimmt, wird feststellen, dass die Tabelle viel eleganter aussieht. Massgebend für die Linienstärke ist die Strichstärke der Grundschrift (die Dicke des kleinen l); diese Stärke sollte nicht überschritten werden.

Alle Linienarten wie doppelte Linien, Kombinationen von dünn und dick, schraffiert, schattiert, punktiert, gewellt etc. erschweren die gute Gestaltung eher, denn sie bringen Unruhe und nicht die gesuchte Ordnung. In Word ist zur ausgezogenen Linie vielleicht noch die gestrichelte oder gepunktete Linie in Erwägung zu ziehen. Bei der Formatierung von Linien sollte man so vorgehen, dass immer der Inhalt im Fokus bleibt und die Linien lediglich eine Lesehilfe darstellen. Linien dürfen in ihrer dienenden Funktion nicht zu dominant sein.

Text

Die Schrift soll in einer normalen Lesegrösse dargestellt werden, etwa 8 bis 10 Punkt. Die Textformatierung ist in der Regel linksbündig, bei Zahlen stehen die Kolonnen rechts- oder linksbündig und bei Währungsbeträgen werden sie auf den Dezimaltabulator ausgerichtet. Von einer mittigen Ausrichtung ist abzuraten, da Mittelachse keine optischen Scheinkanten erzeugt. Der Abstand der Texte zu den Linien ist 1 bis 2 mm gross.  Er richtet sich aber nach der Grösse der einzelnen Felder. Die Schrift des Tabellenkopfes darf sich von jener des Tabellenfusses unterscheiden. Empfehlenswert ist die gleiche Schriftgrösse, aber Italic oder Bold.

Eine Tabelle ist eine abgekürzte und übersichtliche Darstellungsform. Eine nüchterne Schrift ohne Serifen, wie Segoe, Corbel, Calibri, ist deshalb eher angezeigt als eine verspielte oder detailreiche Schrift wie Calisto, Cambria, Constantia oder Times.

Farben

Farben wirken grundsätzlich erst, wenn sie flächig wirken. Farbiger Text oder farbige Linien wirken nicht richtig farbig und machen die Gestaltung nur unruhig. Tabellenköpfe, Textfelder, Spalten oder andere Flächen können gut mit Farben ausgelegt werden. Die Farben wirken dezent besser als knallig. Kräftige und dunkle Farben sind zu auffällig oder zu schrill, eine solche Gestaltung dient nicht der Informationsvermittlung. Also nicht knallorange, sondern lieber beige, eigelb oder türkis. Dabei kann eine Farbe in ihrer Helligkeit natürlich ebenfalls gebrochen werden. Aus Azurblau wird aufgerastert Zartblau. Auf Farben kann der Text auch weiss gestaltet werden. Weisser Text ist selbst auf einer relativ hellen Farbe noch gut leserlich.

Kommentieren 0 Kommentare
Ralf Turtschi ist gelernter Schriftsetzer, dipl. PR-Berater, Publizist und Fachbuchautor. Es ist als Inhaber der Agenturtschi, visuelle Kommunikation, freiberuflich tätig.
 
Weitere Artikel von Ralf Turtschi
Log in to post a comment.

KOMMENTARE

ADD COMMENT