Selbstmotivation

Man hat immer ein Spielfeld

Kategorien: Psychologie, Karriere | Text: Stefanie Zeng | 09.08.2017

Motivation ist für Coach und Referentin Tanja Frieden ein schwieriges Wort. Viel wichtiger findet sie es, den eigenen Zielen auf die Spur zu kommen. Denn nur wer innerlich bewegt ist, kann auch etwas bewegen. Und jeder Einzelne kann sich das Umfeld dafür selbst schaffen.

Was ist für dich überhaupt Motivation? 

Tanja Frieden: Das Wort Motivation an sich ist schwierig. Wenn man das sagt, stellen sich die Leute vor, es gebe ein Tool oder eine Methode, die man einsetze, und dann starte die Rakete. Doch so geht das nicht. 
 

Wie geht es denn dann? 

Menschen brauchen Ziele. 
 

Das sollte ja nicht so schwer sein …

Könnte man meinen. Aber wenn ich meine Klienten im Coaching frage «Warum machst du diese Arbeit?», sagen sie oft «Ui, ich weiss auch nicht». Die meisten können genau sagen, was sie nicht wollen, aber wenn sie sagen sollen, was sie wollen, herrscht Stille. Und das zum Teil auf höchster Führungsebene. 
 

Aber gerade dort gibt es doch viele Ziele…

Ja, aber irgendwelche Ziele reichen eben nicht. Wir haben massenhaft theoretisches Wissen, das in der Praxis nicht funktioniert. Nehmen wir zum Beispiel das SMART-System. Demnach müssten Ziele spezifisch, messbar, erreichbar, realistisch und zeitgebunden sein. Doch Ziele, die so definiert sind, bewegen die Menschen noch nicht automatisch. Und solange ein Ziel sie nicht innerlich bewegt, bewegen auch sie sich nicht. 
 

Du bist Sportlerin. Deine Kunden sind vor allem solche, die in Unternehmen arbeiten. Das sind zwei verschiedene Welten. Wieso sind deine Botschaften dort trotzdem relevant? 

Ja, ich bin Sportlerin, aber vor allen Dingen bin ich seit Jahren auch Unternehmerin und arbeite selber mit den verschiedensten Unternehmen zusammen. Aber das ist gar nicht das Entscheidende. Wichtig ist wie gesagt nur das gelebte  Ziel – egal ob im Sport oder im Büro. 
 

Motivation wird häufig mit Aufstiegsmöglichkeiten oder mit Freiräumen im Job in Zusammenhang gebracht. Doch was passiert in einem Job wie dem Assistenzjob, wo es nicht immer viele Aufstiegsmöglichkeiten und vielleicht auch keine grossen Freiräume gibt? 

Ich glaube, dass jeder immer ein Spielfeld hat. Wir leben in einem Land, in dem wir das absolute Privileg haben, uns überhaupt darüber Gedanken machen zu können, was uns im Leben wirklich zufrieden macht, weil wir uns eben nicht jeden Tag darüber Gedanken machen müssen, wo die nächste Mahlzeit herkommt. Daher ist es meiner Ansicht nach die Aufgabe jedes Einzelnen, sich das für ihn passende Spielfeld abzustecken. Leider verharren viele in dem Feld, das ihnen sozusagen zugeteilt wurde. 

 

Was heisst das konkret? 

Auch ein Assistentin oder ein Assistent kann sagen, welcher Teil des Jobs sie besonders motiviert, welche Aufgabe sie gern häufiger oder vertiefter übernehmen und wo sie sich weiterentwickeln möchten.

 

Das ist ja gut und schön, aber die Unternehmensziele müssen trotzdem erfüllt werden …

Natürlich. Es geht letztlich darum, eine emotionale Brücke zwischen dem zu bauen, was vorgegeben ist, und dem, was einen selbst im Innern bewegt. Ich staune immer, wenn mir Menschen erzählen, es sei ihnen egal, in welchem Unternehmen sie arbeiten. Für mich ist es wichtig, dass das ethische Leitbild meinen Werten entspricht und ich als Mensch dahinterstehen kann. Das macht es doch viel einfacher, arbeiten zu gehen. Auch wenn ich nicht direkt mit dem Produkt zu tun habe, bin ich doch ein kleiner Teil von etwas, das für andere eine grosse Bedeutung hat. 
 

Es ist doch eine Tatsache, dass manche Menschen einfach Geld verdienen müssen und es sich nicht aussuchen können, wo sie das tun. Und irgendjemand muss ja auch in der Rüstungs- oder Tabakindustrie arbeiten, auch wenn sich eine Mehrheit wohl mit deren Produkten nicht identifizieren kann. 

Ich denke, es gibt in jedem Umfeld einen Teil, für den man brennen kann. Sei das ein ganz toller Chef oder eine spannende Aufgabe, die ich gut finde. Es kann aber auch sein, dass es das erklärte Höchstziel ist, viel oder genügend Geld zu verdienen, zum Beispiel, wenn man eine alleinerziehende Mutter ist. Dann ist Geld die emotionale Brücke. Das ist auch in Ordnung. Aber ich wünsche mir, dass sich die Menschen dessen bewusst sind. 
 

Ist das nicht schade, wenn die einzige Motivation das Geld ist? 

Für mich nicht, ich bin da wertfrei. Es gibt nur stimmig und nicht stimmig. Wie das Ziel heiss­t, ist egal. Ich finde es spannend und wichtig, die Menschen dorthin zu begleiten. 

 

Lässt sich die eigene Selbstmotivation beeinflussen? 

Jein. Wenn ich geklärt habe, was für mich wichtig ist, kann ich mich in ein Umfeld begeben, in dem es für mich stimmt, und bin dann auch motivierter. Aber natürlich gibt es auch externe Faktoren. Es gibt nun einmal Führungsphilosophien, die motivierender sind als andere, wie Führungsstile, die genügend Freiraum und Vertrauen geben. Und manche Menschen schaffen es einfach, uns mit ihrer Art mitzureissen. 
 

Was motiviert dich? 

Menschen auf neue Wege zu begleiten. Mein Ziel ist erreicht, wenn meine Kunden neue Einsichten und Werkzeuge haben, ohne mich weitermachen können und wissen, wohin sie wollen. 

 

Wie steht es um die Motivation aus deiner Sicht? 

Ich sehe mehr motivierte Menschen. Aber das liegt auch daran, dass ich das wohl anziehe, denn ich will lieber mit Leuten arbeiten, mit denen es fägt. Das habe ich mir aufgeschrieben und es funktioniert. Das heisst nicht, dass das nur Winner sind, aber einfach Leute, die was bewegen wollen.  M
 
 

Tanja Frieden ist Coach, Mentaltrainerin und Referentin und hilft Wirtschaftsführern, Sportlern und Privatpersonen weiter. Sie unterstützt Einzelpersonen oder Teams in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und darin, ihre Ziele zu erreichen.

 Tanja Frieden ist über info@speakers-excellence.ch für Veranstaltungen buchbar. 

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