Korrespondenz

Das Herz sprechen lassen

Alle Jahre wieder? Das gilt nicht für 2020. Corona hat dieses Jahr geprägt und sollte damit auch in unseren Weihnachtsgrüssen vorkommen. Egal, ob sie sich an Kunden oder Mitarbeitende richten.

 

«Wieder einmal neigt sich ein arbeitsreiches Jahr dem Ende zu. Deshalb haben die Unternehmen der Gruppe Hersteller AG in der Zeit vom 21.12.20 bis 08.01.21 geschlossen und unsere Mitarbeiter befinden sich in den wohlverdienten Weihnachtsferien.»

Ach ja? Mal davon abgesehen, dass schon der kurze Absatz vor abgegriffenen Wörtern strotzt (neigt sich zu Ende, arbeitsreich, wohlverdient), fehlt hier vor allem eins: Empathie. Denn dieses Jahr der Pandemie war für die meisten Menschen eine Belastung: «Da können wir doch jetzt nicht so tun, als sei nichts passiert», meint Claudia Marbach, Kommunikationstrainerin aus Düsseldorf. «Die gleichen Weihnachtsgrüsse zu verwenden, wie im letzten Jahr, als das Leben noch happy war, finde ich wenig empathisch.» 

Positive Wörter verwenden

Zwar mag es einfacher sein, die gleichen Floskeln wie immer zu verwenden und die Unannehmlichkeiten oder gar persönlichen Katastrophen, die 2020 mit sich brachte, auszublenden. Doch wem es in seinen Weihnachtsgrüssen darum geht, partnerschaftlich zu sein und das Miteinander zu betonen, tut gut daran, die aktuellen Gegebenheiten in seinen Text einfliessen zu lassen. 

«Einfühlungsvermögen bedeutet dabei nicht, auf den negativen Erfahrungen rumzureiten, und sie trotzdem anzuerkennen und zu erwähnen», so Marbach. «Die Wortwahl macht den Unterschied: Wer schreibt ‹Hinter uns liegt ein hartes Jahr›, wird beim Leser wohl eher ein ‹Autsch› hervorrufen. Besser ist: ‹Wir alle haben ein Jahr erlebt, in dem wir uns grossen Herausforderungen gegenübersahen.› Empathie muss nicht aufgetragen klingen. Wichtig ist es, positive Wörter wie ‹stark›, ‹Freude› oder ‹Miteinander› zu verwenden».

Falsch ist es unter den aktuellen Umständen, auf einen lockeren Ton («Wir stossen mit einer Flasche Corona-Bier auf euch an») zurückzugreifen: «So etwas finde ich hoch riskant. Man weiss nie, mit wem man es zu tun hat, ob die Person jemanden kennt, der schwer erkrankt ist oder sogar jemanden verloren hat», warnt Marbach. 

Ebenso rät sie von Floskeln ab. «Menschen lieben Floskeln, sie haben dann das Gefühl nichts falsch zu machen. Leider machen sie damit aber auch nichts richtig. Wer fragt ‹Na, alles gut bei dir?›, bleibt an der Oberfläche. Wer hingegen ‹Wie geht es Dir?› fragt, tritt mit seinem Gegenüber in Beziehung. Und Weihnachtsgrüsse sind eine Chance, zu zeigen, dass man in Beziehung steht und die andere Person einem wichtig ist.»

Das gilt vor allem für die eigenen Mitarbeiter: «Besonders in diesem Jahr sollte sich ein Chef für die Flexibilität, das Durchhaltevermögen und das Engagement seiner Mitarbeitenden bedanken», findet Marbach. Wer sich schwer tut, die richtigen Worte zu finden, dem rät die Expertin: «Setzen Sie sich hin, fangen Sie an zu schreiben und lassen Sie Ihr Herz sprechen.»

Ein paar Beispiele, wie Sie die Besonderheiten des aktuellen Jahres ansprechen können


«Ich wünschte, ich könnte Ihnen einfach nur ein schönes Weihnachtsfest mit Ihren Lieben wünschen; das tue ich natürlich. Doch erscheint mir das vor dem Hintergrund der letzten Monate etwas profan. Profan war nämlich gar nichts. Und vielleicht sind oder waren Sie von der Pandemie auch in irgendeiner Art und Weise betroffen.» 

«Ich bin mir bewusst, dass wir Ihnen in diesem Jahr viel abverlangt haben. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir bald wieder mehr persönliche Begegnungen haben als virtuelle Meetings.»

«Ich wünsche uns allen wieder mehr Nähe als Distanz, mehr Optimismus statt Pessimismus, mehr Freude statt Frust.»

«Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass Sie stark sind, bleiben oder wieder werden und wir wieder unbeschwerter sein können.»

Claudia Marbach

Claudia Marbach ist Expertin für Kommunikation und (digitale) Organisation. Sie gibt deutschlandweit und in Zürich Trainings und bietet Online-Seminare zu vielen Büro- und Kommunikationsthemen an. Alle Termine und Themen hier: www.claudia-marbach.de

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