Ein bisschen von allem, auch im Depot
Eine ausgewogene Ernährung besteht nicht nur aus Vollkornbrot, sondern auch aus weiteren Nährstoffen. In der Geldanlage ist es ähnlich: Wer nur eine einzige Aktie im Depot hält, setzt alles auf eine Karte. Die Entwicklung des gesamten Vermögens hängt somit allein von diesem einen Unternehmen ab. Das ist «ungesund». Nicht für den Körper, aber fürs Depot.
Foto: Amy Shamblen / Unsplash
Wie bei der Ernährung gilt auch beim Investieren: Die Vielfalt zahlt sich aus. Dieses Prinzip nennt sich Diversifikation und funktioniert wie ein abwechslungsreicher Speiseplan. Wenn man nur Vollkornbrot isst, deckt man zwar einen Teil der Nährstoffe ab, aber andere fehlen – und das kann langfristig ungesund sein. Wer hingegen eine bunte Mischung aus Obst, Gemüse, Proteinen und Vollkornprodukten zu sich nimmt, minimiert das Risiko von Mangelerscheinungen.
Beim Investieren gilt dasselbe: Wer nur auf eine Aktie oder Branche setzt, riskiert hohe Verluste. Wer hingegen verschiedene Anlagen kombiniert, kann Schwankungen abfedern. Während eine Aktie fällt, kann eine andere steigen. So wird das Depot widerstandsfähiger, ohne dass die Chancen auf Rendite verloren gehen.
Warum Vielfalt an der Börse schützt
Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit: Als die Tech-Blase um die Jahrtausendwende platzte, verloren Technologieaktien im sogenannten Dotcom-Crash massiv an Wert. Einige Firmen verschwanden komplett, andere wie etwa Amazon oder Microsoft gibt es heute noch. Vom Hoch um das Jahr 2000 bis zu ihren Tiefpunkten im Jahr 2002 verzeichneten aber auch diese beiden Aktien einen Kursverlust von über 70 Prozent.
Defensivere Branchen wie Konsumgüter, Gesundheit und Versicherungen verzeichneten zwar ebenfalls Kursverluste, aber mit –10 bis –40 Prozent fielen diese wesentlich tiefer aus. Wurden dem Depot nebst Aktien noch andere Anlageklassen beigemischt, half das zusätzlich bei der Stabilisierung, und die Kursverluste fielen nicht so gross aus. Stabilisierend wirkten beispielsweise Gold oder Staatsanleihen.
Kommen wir zurück zum Vollkornbrot oder eben zu nur einer einzigen Aktie im Depot. Viele Anlegerinnen und Anleger argumentieren, dass es sich um eine grosse, bekannte und vermeintlich sichere Firma handelt, da könne ja nicht viel passieren. Das mag über lange Jahre gutgehen, muss es aber nicht.
Beispiele aus der Schweiz wie Swissair oder die Credit Suisse zeigen, dass selbst solche Namen dramatisch an Wert verlieren oder sogar vom Markt verschwinden können. Auch international gibt es solche Fälle: Die Investmentbank Lehman Brothers ging 2008 bankrott, obwohl sie lange als solide galt. Selbst vermeintlich unerschütterliche US-Giganten können in Krisenzeiten stark an Wert verlieren.
Solche Beispiele machen deutlich: Wer auf nur eine Aktie setzt, läuft ein hohes Risiko. Diversifikation schützt indes davor, dass ein einzelner Ausfall das gesamte Depot stark trifft.
Die grössten Irrtümer über Diversifikation
Irrtum 1: «Ich habe 5 ETFs, also bin ich breit diversifiziert.»
Die Anzahl der ETFs sagt nichts über die tatsächliche Diversifikation aus. Bildet ein ETF beispielsweise den MSCI World ab, klingt das nach globaler Streuung, tatsächlich sind darin aber über 70 Prozent US-amerikanische Unternehmen enthalten. Füge ich nun einen S&P 500 hinzu, der den US-Markt abbildet, habe ich viele der Unternehmen bereits doppelt in meinem Portfolio. Kommt noch ein Nasdaq‑100-ETF hinzu, der stark auf Technologieaktien fokussiert ist, besitze ich zwar drei ETFs, aber ein Grossteil der enthaltenen Firmen ist identisch.
Irrtum 2: «Diversifikation kostet Rendite.»
In Wahrheit sorgt Diversifikation langfristig für stabilere Erträge, da Verluste in einzelnen Anlagen durch Gewinne in anderen Positionen ausgeglichen werden. Wer also auf unterschiedliche Branchen, Regionen und Anlageklassen setzt, erzielt konstantere Renditen, ohne dabei Chancen zu verschenken.
Irrtum 3: «Anleihen bringen sowieso keine Rendite,also kann ich darauf verzichten.»
Viele Anlegerinnen und Anleger unterschätzen den stabilisierenden Effekt von Anleihen im Depot. Diese Anlagen schwanken in der Regel weniger stark als Aktien und gleichen Verluste in Krisenzeiten aus. So tragen sie langfristig zu einem ausgeglicheneren und weniger riskanten Anlageergebnis bei, auch wenn ihre Erträge oft geringer ausfallen.
Das Fazit: Stabilität durch Vielfalt
Beim Investieren geht es nicht darum, die eine «Super-Aktie» zu finden, sondern ein System aufzubauen, das über Jahrzehnte funktioniert. Diversifikation nimmt den Stress aus der Geldanlage. Es entfällt die Notwendigkeit zu hoffen, dass eine einzelne Firma oder Branche überlebt, stattdessen wird auf die Kraft der gesamten Weltwirtschaft gesetzt. Das Ziel ist ein Depot, das nicht nur Rendite liefert, sondern auch in Krisenzeiten für die nötige Gelassenheit sorgt.
Die nächsten Schritte für ein stabiles Depot:
- Breit aufstellen: Fokus auf kostengünstige Fonds, die hunderte Unternehmen gleichzeitig abdecken.
- Strategische Auswahl: Reduktion der Wetten auf Einzelaktien zugunsten eines stabilen Kern-Portfolios.
- Langfristiger Fokus: Ein diversifiziertes Depot gleicht einem Marathonlauf. Geduld und Disziplin führen hier eher zum Ziel als ständiges Hin- und Her-Handeln.