Beleuchtung

Helle Büros für helle Köpfchen

Büros mit guter Lichtgestaltung beeinflussen laut Studien das Wohlbefinden und damit die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden massgeblich. Wer sich dieses Wissen zunutze macht, profitiert im Arbeitsalltag – und auch nach Feierabend.

Kalt, nass und vor allem grau und dunkel: Der Winter hat das Land im Griff, viele Menschen sind müde und antriebslos. Dieses schummrige, schattenlose Licht empfinden wir als ungemütlich. Wirft man einen Blick in die Schweizer Büros, findet man aber vielerorts genau diese Stimmung wieder. Diesen Eindruck bestätigt eine im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco ausgeführte Studie. Darin empfinden über zehn Prozent der Befragten die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz als unangenehm. Es herrscht eine Stimmung, die wenig mit dem Wohlgefühl zu tun hat, das bei Sonnenschein und blauem Himmel aufkommt.

Dass sich bei schönem Wetter ein wohliges Gefühl einstellt, hat einen guten, nämlich biologischen Grund: Zellen im menschlichen Auge reagieren auf blaues Licht und regeln die Produktion von Melatonin, dem Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Bei Hell- und Himmelblau drosselt der Körper dessen Produktion. In der Dunkelheit schüttet er Melatonin aus – wir schlafen irgendwann ein. Unser Organismus wurde so über viele Jahrtausende auf das natürliche Licht ausgerichtet.

Hellwach am Bildschirm

Das blaue Licht, das unseren Hormonhaushalt beeinflusst, findet sich auch im Bildschirmlicht. Gerade moderne LED-Bildschirme beeinflussen laut einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und des Schlaflabors der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel unsere innere Uhr. Am Abend hemmen diese Bildschirme die Melatonin-Produktion und stören damit unseren natürlichen Rhythmus.

Wer spätabends noch vor dem Computer sitzen muss, sollte laut Forschern die Blauanteile im Bildschirm reduzieren können, damit er nach getaner Arbeit trotzdem gut einschlafen kann. Tagsüber kann das blaue Licht uns wiederum helfen, wacher zu bleiben, wie die IAO-Untersuchung zeigt. Die Probanden schnitten in kognitiven Tests im Vergleich zu den Testpersonen an handelsüblichen LCD-Bildschirmen besser ab, waren wacher und reagierten um bis zu 20 Prozent schneller. Damit dieser Effekt in Zukunft auch genutzt werden kann, arbeiten die Forscher an einem individuell steuerbaren Bildschirm.

Mein Pult, mein Licht

Bereits selbst steuerbar ist die direkte Arbeitsplatzbeleuchtung – und dies hat einen grossen Effekt. Gemäss einer umfassenden Studie des Light Right Consortium in New York wirkt sich eine selbst dimmbare Beleuchtung messbar positiv auf die Motivation aus. Die Testpersonen mit dimmbarem Licht waren zusätzlich über die ganze Zeit der Untersuchung aufmerksamer und ausdauernder als die Probanden ohne eigene Kontrolle über ihre Arbeitsplatzbeleuchtung. Die Spanne der gewählten Beleuchtungsstärke variierte zudem stark – was nicht zuletzt zeigt, dass die Lichtbedürfnisse sehr individuell sind.

Neben der direkten Arbeitsplatzbeleuchtung gibt es im Büro eine Vielzahl weiterer Lichtquellen: die Deckenleuchte, die Stehleuchte in der Ecke, die Wandleuchte, das Fenster. Und der Einfluss dieser Leuchten auf das Wohlbefinden ist ebenfalls gross. In der Studie des Light Right Consortium fühlten sich 91 Prozent der Probanden am wohlsten in gut beleuchteten Räumen mit direktem und indirektem Licht, Wandbeleuchtung sowie Dimmersteuerung am Arbeitsplatz. Sie bewerteten diese Arbeitsplätze als attraktiver und fühlten sich im Allgemeinen wohler im Arbeitsumfeld.

Passender Lichtcocktail

Die Erkenntnis, dass eine dynamische Beleuchtung die beste Wirkung zeigt, hat die Lichtplaner veranlasst, sich verstärkt mit der perfekten Mischung des Lichts auseinanderzusetzen. Ideal ist, wenn sich die Helligkeit  dem Tageslicht anpasst und den Tagesablauf nachahmt: Morgens strahlt das Licht direkt wie die Sonne, wird gegen Mittag diffuser und nachmittags wieder direkter. Gerade im Leistungstief am frühen Nachmittag hilft eine Erhöhung der Beleuchtungsstärke auf bis zu 1000 Lux, um den Organismus wieder in Schwung zu bringen. Dies ist etwas mehr als die 600 Lux, die das Schweizer Gesetz für den Arbeitsplatz vorschreibt.

Die Lichtintensität ist indessen nur der eine Teil. Nicht minder wichtig ist die Lichtfarbe. Sie lässt sich grob in drei Stufen unterteilen: Warmweiss (ca. 3000 Kelvin), Neutralweiss (ca. 4000 Kelvin) und Tageslichtweiss, auch Kaltweiss genannt (ab ca. 5000 Kelvin). Die wärmeren Farben mit tiefen Kelvin-Werten kommen dem Kerzenlicht nahe und wirken beruhigend. Je höher der Kelvin-Wert und je kälter die Lichtfarbe, desto anregender die Wirkung. Durch den höheren Blauanteil im kalten Licht eignet sich dieses besser, um eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

In Kombination mit der Lichtintensität beeinflusst die Lichtfarbe auch unsere Denkfähigkeit. Müssen wir analytisch denken und arbeiten, ist helles Licht mit einem hohen Blauanteil besser. Kreativität wird dagegen eher bei Dämmerlicht mit einem hohen Weissanteil gefördert. Forscher vermuten, dass gedimmtes Licht eine Atmosphäre erzeugt, bei der man sich unbeobachteter fühlt und die es dadurch leichter macht, aus Konventionen auszubrechen und neue Ideen zuzulassen.

Schatten für mehr Dynamik

Entscheidend ist auch die Kombination unterschiedlicher Lichtqualitäten. Das gilt im Besonderen bei der Aufteilung von Grossraumbüros in unterschiedliche funktionale Zonen. Hier schaffen durchdachte Lichtkonzepte Orientierung und Raum für unterschiedliche Arbeitsbedürfnisse. Effektlichter setzen Akzente beispielsweise auf Pflanzen oder auf einzelnen Möbelstücken und erzeugen dadurch Abwechslung. Mit dem diffusen Licht von ästhetischen Dekoleuchten aus Materialien wie Papier oder Glas erzeugt der Lichtplaner eine freundliche Stimmung. Auch Schatten sind ein wichtiges Instrument, verleihen sie doch den Möbeln und dem Raum Dreidimensionalität und helfen unseren Augen, Gegenstände als solche zu identifizieren.

Intelligent gesteuert

Beleuchtungssysteme mit vielen verschiedenen Leuchtquellen verbrauchen viel Strom – insbesondere, wenn sie dauernd in Betrieb sind. Doch auch dafür gibt es Lösungen. So lassen sich beispielsweise mit Tageszeit- und Anwesenheitssensoren die Leuchtquellen ein- und ausschalten. Von der tageslichtabhängigen Steuerung weiss man, dass sie den Stromverbrauch gegenüber herkömmlichen Beleuchtungsansätzen um bis zu einem Drittel senkt.

In modernen Steuerungssystemen mit Tageslicht- und Anwesenheitssensoren stecken neben dem höheren Sparpotenzial weitere Möglichkeiten. Im Winter oder in frühen Morgen- beziehungsweise späten Abendstunden entstehen an den wenigen besetzten Plätzen oft einsame Lichtkegel, die für die Augen einen anstrengenden Hell-Dunkel-Kontrast bilden. Die durch die Steuerungssysteme vernetzten Leuchten reagieren auf Bewegungen und erzeugen in einem grossen Radius eine abgestufte Lichtstimmung, die diese harten Kontraste verhindert – es entsteht eine Lichtwolke, die man gemeinhin als angenehm empfindet.

Eine ganz besondere Lichtstimmung schafft der «Virtual Sky» des Fraunhofer IAO. Die LED-Lichtdecke erstreckt sich über den gesamten Raum und ahmt den Himmel mit vorbeiziehenden Wolken nach. Die Bewölkung bewegt sich ganz dezent am virtuellen Himmel, sodass die Nutzer des Raums die Veränderungen nicht bewusst wahrnehmen. Erste Tests bestätigen die Vermutung der Forscher: Die Installation fördert bei den Probanden Wachheit und Konzentration merklich.

Der «Virtual Sky» ist eine der vielen technischen Innovationen, die den Lichtplanern vielfältige Möglichkeiten eröffnen, um die Lichtverhältnisse in den Büros zu optimieren. Die systematische Berücksichtigung des Lichts in der Büroplanung kommt letztlich allen zugute: in Form von höherer Produktivität und grösserem Wohlbefinden.

Wellness fürs Auge: Tipps

Bildschirm ausrichten

Scheint an schönen Tagen die Sonne ins Büro, spiegeln diverse Flächen und blenden unangenehm. Der Grund dafür ist oft ein falsch ausgerichteter Schreibtisch. Er sollte laut SUVA so stehen, dass die Blickrichtung parallel zum Fenster verläuft. Unser Auge versucht nämlich ständig, den Helligkeitsunterschied zu kompensieren: je grösser der Kontrast, desto anstrengender also für die Augenmuskulatur. Hat man das Fenster im Rücken, kommt es zu unangenehmen Reflexionen auf dem Bildschirm.

Blendung vermeiden

Jegliche Form von Blendung ist zu vermeiden. Der direkte Blick in Leuchten sowie Reflexionen auf der Arbeitsfläche stören die Augen. Die Arbeitsplatzbeleuchtung sollte darum so ausgerichtet sein, dass es keine Spiegelungen auf Bildschirm oder Arbeitsfläche gibt.

Kontraste verringern

Der Kontrast auf der Arbeitsfläche, zum Beispiel der Unterschied zwischen einem Blatt Papier und der Tischfläche, sollte möglichst gering sein. Ein hoher Kontrast ist nur auf dem Blatt hilfreich, nämlich zwischen Buchstaben- und Papierfarbe.

Abwechslung bieten

Zwischendurch den Blick in die Ferne schweifen lassen, am besten nach draussen, sowie nach oben und unten. Diese Bewegungen verhindern eine einseitige Belastung der Augenmuskulatur. Besonders entspannend wirkt es, die Augen für ungefähr zehn Sekunden zu schliessen – aber bitte nicht einschlafen.

 

Kommentieren 0 Kommentare

Danny Schweingruber ist Leiter des Zentrums für Büroarchitektur und Arbeitskonzepte bei Witzig The Office Company. Er begleitet Unternehmen auf dem Weg in ihre neuen Arbeitswelten und ist überzeugt, dass ein gutes Beleuchtungskonzept ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Der Büroprofi arbeitet dabei eng mit erfahrenen Lichtplanern zusammen.

Weitere Artikel von Danny Schweingruber
Log in to post a comment.

KOMMENTARE

ADD COMMENT