premium Porträt

Im Job angekommen

Es ist nicht der Traumjob, es ist der Job, bei dem alles stimmt, sagt Sekretariatsleiterin Karin Schenk. Wieso das so ist, erzählt sie im Porträt.

Am Morgen Stiftungsratssitzung, danach Generalversammlung, am Nachmittag eine VR-Sitzung, gefolgt von einem Stiftungsrats- und Anlageausschuss: Das ist eine Kurzfassung von Karin Schenks Arbeitstag einen Tag bevor Miss Moneypenny zu Besuch kommt. Nun wartet die Nachbearbeitung des Sitzungsmarathons auf die 54-jährige Direktionsassistentin, die insgesamt neun Protokolle zu erstellen hat. «Zum guten Glück muss ich nicht alles bis morgen erledigen», lacht Karin Schenk erleichtert auf. Solch intensive Sitzungstage mit rund 40 Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz sind die Fixpunkte in ihrer Jahresagenda und erfordern eine penible Vor- und Nachbearbeitung.

Karin Schenk arbeitet bei den Agrisano Unternehmungen. Die Unternehmen entwickeln und bieten  Versicherungsdienstleistungen für Bauernfamilien und deren Angestellte. Rund 220 Mitarbeitende arbeiten in den fünf Agrisano Unternehmungen, die dem Departement Soziales und Dienstleistungen des Schweizer Bauernverbandes angegliedert sind. Schenk leitet seit acht Jahren das Sekretariat des Generalsekretariats am Hauptsitz in Brugg im Kanton Aargau. Die zierliche Frau mit den roten Haaren übernimmt Assistenzaufgaben für drei Chefs. Ihr direkter Vorgesetzter, Peter Kopp, ist der Departementsleiter Soziales und Dienstleistungen des Schweizer Bauernverbandes und Generalsekretär der Agrisano Unternehmungen. Ihre anderen beiden Chefs sind Christian Scharpf, Geschäftsführer Krankenkasse, Versicherung und Stiftung, sowie Christian Kohli, Geschäftsführer der beiden Vorsorgestiftungen Pencas und Prevos. «Die Zusammenarbeit mit meinen Vorgesetzten ist angenehm. Keiner empfindet seine Position oder Aufgaben als wichtiger, als dass ich alles andere stehen und liegen lassen müsste. Zudem kümmern sie sich selbstständig um ihre E-Mail-Posteingänge, sodass ich vor allem für die Organisation der Sitzungen und Tagungen zuständig sein kann», erklärt Schenk.

Meine Wahl

Winter oder Sommer?

Ich entwickle mich zum Wintermensch. Das ist wohl eine Frage des Alters …

KMU oder Grosskonzern?

Eindeutig KMU.

Jägerin oder Sammlerin?

Ich gehe beim Shoppen auf die Jagd und sammle schöne Kleider.

Auto oder Zug?

Auto, denn das bedeutet für mich Freiheit.

Asketin oder Genussmensch?

Ich bin eine Geniesserin. Ein gutes Glas Wein, kochen und feines Essen bedeuten mir viel.

Stimmiges Gesamtpaket

Für die Assistentin ist es die erste Stelle bei einem Sozialversicherer. «Eine spannende Branche», sagt Karin Schenk, die zuvor bei einem Händler für Unterhaltungselektronik tätig war. Die Direktionsassistentin schätzt es, dass bei Agrisano die Nähe zu den Landwirten und die Zusammenarbeit mit dem Bauernverband hinzukommt. Als Nichte eines Landwirts sei sie schon vor ihrem Job bei  der Agrisano bauernfreundlich eingestellt gewesen. Inzwischen sei aber ihr Bewusstsein für die Herkunft landwirtschaftlicher Produkte und die Endkundenpreise gestiegen. Auf die nicht immer mit Wohlwollen gesehene Agrarpolitik angesprochen, antwortet die Direktionsassistentin mit einer Gegenfrage: «Was sind die Alternativen: Billigprodukte aus dem Ausland?» Bei der allgemeinen Kritik an den Krankenkassen ruhig Blut zu bewahren, fällt Schenk indes schwer. Zuweilen sei es zermürbend, den Kritikerinnen und Kritikern aufzuzeigen, was die hohen Kosten im Gesundheitswesen verursache. Da fokussiere sie sich lieber auf die positiven Aspekte ihres Arbeitsumfelds. «Ich bin angekommen», sagt die Assistentin. Von Anfang an stimmte das Gesamtpaket. Die Mischung aus KMU und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden mache die Arbeitsstelle aus, resümiert Schenk die Vorteile ihres Arbeitgebers.

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Erst Transferarbeit, dann Projekt

Ein weiteres Plus auf der Liste von Karin Schenk ist die Unterstützung ihres Chefs Peter Kopp, wenn es darum geht, sich weiterzuentwickeln. Nicht nur hatte sie seine Unterstützung, als sie sich entschied, den CAS in Digital Office Management in Angriff zu nehmen. Sondern auch dabei, nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung das neu erworbene Wissen im Unternehmen einbringen zu können. So arbeitet die Assistentin nun zum ersten Mal abteilungsübergreifend an einem Projekt mit. Dabei geht es um die Einführung eines digitalen Posteingangs. Ein Thema, bei dem die Sekretariatsleiterin ihre Erfahrung und ihre Rechercheergebnisse einbringen kann. In ihrer Transferarbeit hat sich die 54-Jährige mit dem Thema «Digitale Vertragsablage» auseinandergesetzt. Schenk hat für ihre schriftliche Arbeit Computerprogramme verglichen, Schlüsse gezogen und Empfehlungen abgegeben. «Mir war es wichtig, aufzuzeigen, wie wir Direktionsassistentinnen dank mehr Digitalisierung unsere Arbeit vereinfachen und unsere Effizienz steigern können», erklärt Karin Schenk ihre Motivation. Damit die Transferarbeit nicht nur ein Leistungsausweis fürs Diplom bleibt, teilt sie ihre Arbeit gerne auch mit anderen Assistentinnen. Im Unternehmen einer Kollegin aus dem Assistenznetzwerk, der sie ihre Arbeit weitergeleitet hat, ist man nun daran, ein digitales Vertragsmanagement nach den Empfehlungen von Schenk einzuführen. «Das macht mich stolz und zeigt mir, dass sich meine Mühe gelohnt hat.»

Mir war es wichtig, aufzuzeigen, wie wir Direktionsassistentinnen dank mehr Digitalisierung unsere Arbeit vereinfachen und unsere Effizienz steigern können

Prägende Romandie-Zeit

Die Weiterbildung hat Karin Schenk einiges abverlangt. «Es war meine erste schriftliche Arbeit, aber auch meine letzte. Mir Fachwissen anzueignen und dann eine Prüfung abzulegen, entspricht mir mehr», erklärt Schenk. Sie ist froh, es bis zum Schluss durchgezogen zu haben. Mittendrin aufhören, dass passt nicht zur Zürcherin. Wenn sie etwas will, dann zieht sie es auch durch. So wie ihre Reise nach Nizza im Alter von 23 Jahren. Geplant war, dass sie mit ihrer Freundin für drei Monate in den Sprachaufenthalt geht. Kurz vor der Abreise sagte die Freundin ab. «Mein unbezahlter Urlaub war bereits bewilligt und auch sonst wollte ich mir dieses Abenteuer nicht entgehen lassen», erinnert sich Schenk. Deshalb packte sie ihre Koffer und fuhr ohne Navi und Handy mit dem Auto nach Südfrankreich. «Es hat mich damals einiges an Mut gekostet, aber ich bin froh, es durchgezogen zu haben.»

Wie das Leben so spielt, verhalfen ihr die im Sprachaufenthalt erworbenen Französischkenntnisse zu einem Job in der Romandie. «Das war eine tolle Zeit und genau das Richtige in meinen Zwanzigern», erinnert sich die Direktionsassistentin. Mit den Welschen zu arbeiten veränderte ihre Einstellung punkto Zusammenarbeit. «Ihre Arbeitskultur unterscheidet sich in einigen Aspekten von der Deutschschweizer Mentalität. Die Romands leben auch am Arbeitsplatz ihre Emotionen und keiner trägt es dem anderen nach.» Diese und viele weitere Erlebnisse tragen dazu bei, dass Karin Schenk bei ihrem jetzigen Job angekommen ist. Nicht nur das Gesamtpaket Arbeitgeber stimmt, sondern vor allem ihr schönes Päckli an Erfahrungsschätzen hilft ihr, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Karin Schenk

Karin Schenk ist in Schwamendingen in der Stadt Zürich aufgewachsen. Nach der kaufmännischen Lehre arbeitete sie als Schadensachbearbeiterin bei der Zürich Versicherungen. Danach folgte eine Anstellung beim Büromaschinenverkäufer Faigle in Zürich und Lausanne. Bevor sie 2014 ihre Stelle bei Agrisano antrat, war sie als Assis­tentin bei Grundig, Media Markt und Ricoh tätig. 2008 schloss Karin Schenk die Ausbildung zur Direktionsassistentin mit eidg. Fachausweis ab. 2021 absolvierte sie den CAS in Digital Office Management an der Fachhochschule Kalaidos. Die Singlefrau fährt in ihrer Freizeit gerne Ski und nimmt regelmässig an den Netzwerkanlässen der Moneypenny Society teil.

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