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Mehrwert Community Management

Wenn wir an neue Jobs denken, kommen uns spontan Tätigkeiten wie Drohnenmechanikerin, KI-Prompter oder Datenanalystin in den Sinn. Wir denken aber selten an die Veränderung bestehender Berufsbilder. Elisabeth Hirtl und Barbara Josef zeigen auf, dass die Assistenzrolle in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnt, wenn sie sich um Community Management kümmert.

Vor genau 40 Jahren prägte der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann den Begriff «New Work» verbunden mit der Forderung, den Menschen und sein Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit ins Zentrum der Arbeitswelt zu stellen. Heute zählt New Work zu den Megatrends unseres Zeitalters. Die Pandemie, verstärkt durch den Rückenwind des Fachkräftemangels, verhalf dem Thema «New Work» unumkehrbar zum Durchbruch, zumindest im Bereich der wissensintensiven Tätigkeiten. Wir sind heute dem Idealbild einer Arbeitswelt, in der die Mitarbeitenden eine Stimme haben und die Arbeit als Chance für die persönliche Weiterentwicklung erleben, näher als je eine Generation vor uns. Doch auch diese grundsätzlich positive Entwicklung hat Schattenseiten. Der sehr schnelle Wechsel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt führte in vielen Organisationen dazu, dass vor lauter «Ich» das «Wir» auf der Strecke blieb und der Zusammenhalt geschwächt wurde.

Erfolgsfaktor Gemeinschaft

Die Erkenntnis, dass die Pandemie in vielen Organisationen zu einer gewissen «Entsolidarisierung» geführt hat, bedeutet keineswegs, dass wir versuchen sollten, zum Alten zurückzukehren. Vielmehr geht es um die Frage, wie es uns gelingt, den Mitarbeitenden individuelle Gestaltungsräume zu ermöglichen und gleichzeitig gezielt in die Stärke der Gemeinschaft zu investieren. Mitarbeitende, die sich einer Organisation zugehörig fühlen und sich mit ihr identifizieren, engagieren sich nachweislich stärker für das Unternehmen und die Arbeitskolleginnen und -kollegen. Und genau das ist in einer Welt der schnellen Veränderungen und Umbrüche für den langfristigen Erfolg matchentscheidend.

Doch stehen maximale Eigenverantwortung und eine starke Gemeinschaft nicht im Widerspruch zueinander? Keinesfalls – ­Co-Working-Spaces leben vor, wie dieser vermeintliche Spagat gelingt. Mittels gezieltem Community Management stellen Co-Working-Spaces sicher, dass aus Einzelpersonen und Firmen, die sich ein gemeinsames (Büro-)Ökosystem teilen, ein starkes Kollektiv entsteht, das allen Mitgliedern Mehrwerte bietet. Wir möchten nachfolgend aufzeigen, was Community Management genau ist und warum wir denken, dass die Assistenzrolle mit ihren spezifischen Kompetenzen prädestiniert dafür ist, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen und so noch nachhaltiger zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Was ist Community Management?

In Co-Working-Spaces versteht man unter Community Management alle Massnahmen, die das Ziel haben, die Gemeinschaft zu stärken und die Vernetzung unter den Mitgliedern aktiv fördern. Schliesst man Organisationen in die Betrachtung mit ein, so kann man die Definition erweitern um die Pflege der Organisationskultur mittels geeigneter kulturbildender Massnahmen, sei dies im physischen oder virtuellen Raum, synchron oder asynchron. Es liegt auf der Hand, dass ein Schwerpunkt auf physischen Begegnungen und Interaktionen liegt. Diese können aber durchaus mit digitalen Elementen flankiert werden.

Warum in Community Management investieren?

Community Management stärkt die Organisation, indem es hilft, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen, die Identifikation mit der Organisation zu stärken und starke Beziehungen zwischen den Mitarbeitenden aufzubauen. Diese Elemente wiederum wirken sich positiv auf den Unternehmenserfolg, die Innovationskraft und die organisationale Resilienz aus.

Wie wird Community Management gemacht?

Unter dem Sammelbegriff Community Management, der sich ursprünglich auf Online-Foren bezog, wird eine Vielfalt von Massnahmen zusammengefasst. Einige Prozesse oder Angebote sind wiederkehrend, andere entstehen situativ. In der nachfolgenden Abbildung fassen wir zusammen, was Community Management im Co-Working-Space «Wunderraum» konkret bedeutet. Es ist als Blueprint zu verstehen, der mit etwas Kreativität einfach auf jede Organisation angepasst werden kann.

Assistenzen als die perfekten Community Manager

Mitarbeitende in Assistenzfunktionen verfügen über grosses Wissen innerhalb der Organisation. Sie sind Organisationstalente, ausgezeichnet vernetzt, ideenreich, kreativ, vorausdenkend, haben ein gutes Gespür für ihr Gegenüber und sind kommunikationsgewandt. Genau diese Kompetenzen machen Community Manager aus. Community Management ist zudem eine sehr bereichernde Aufgabe, weil die Aktivitäten und die daraus entstehende Interaktion positive Reaktionen auslösen und somit zu einer höheren Jobzufriedenheit beitragen oder eine Entwicklungsmöglichkeit darstellen. Im Idealfall besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Bereich People Management. 

Das Büro der Zukunft muss Sogwirkung entfalten und entwickelt sich vom Head Quarter zum Heart Quarter: einem Ort, an dem bedeutsame zwischenmenschliche Begegnungen stattfinden. Und diesen darf man durchaus beherzt auf die Sprünge helfen. 

 

Community Management – wie es im «Wunderraum» gemacht wird

Zusätzliche Tipps für Unternehmen 

Onboarding

  • Termin abmachen für den ersten Arbeitstag
  • Welcome-Package vorbereiten mit praktischen Informationen, Zugangscodes, Badge, kleinem Geschenk, persönlich 
  • geschriebener Karte
  • «Wunderraum»-Team ist informiert •    Persönliche Begrüssung am Tag X
  • Einführungs- und Vorstellungsrunde durch das «Wunderraum»-Team
  • Einladung zu bevorstehenden Events
  • Onboarding-Prozess definieren, 
  • Kennenlern- und Einführungsprogramm
  • Begrüssungskaffee/-lunch mit dem Team organisieren
  • Person mittels interner Kommunikation vorstellen
  • Willkommensrituale
  • Götti/Gotti bestimmen

Anlässe

  • Informelle Anlässe: Kaffeetreff, Afterwork-Drink, BBQ-Lunch, Buch-Lunch, Tipps für Trips-Lunch, Geburtstagskuchen etc.
  • Formellere, wiederkehrende Anlässe: Meet & Greet, um neue Co-Worker/Firmen vorzustellen, Sommerfest, Weihnachtsevent
  • Vernetzung und Wissensaustausch: Frühstücks- oder Mittagssession mit Themen wie «Be well at work», Inspiration Talks mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Firmenpräsentationen, Podiumsdiskussion, Lesung, Vorträge über aktuelle Themen, Workshops beispielsweise für LinkedIn
  • Spontane Formate passend zur Saison oder Aktualität 
  • Auf Anlässe und Termine hinweisen, eventuell bereits vor dem Eintritt
  • Mitarbeitenden die firmeneigenen Räume als Veranstaltungsraum anbieten, beispielsweise bei ehrenamtlicher Arbeit oder als Ort für Vernissagen
  • Themen-Communitys gründen
  • Überraschungen (Torte bei Produkt-/Firmenjubiläum, Glace bei Hitzetag)
  • Kulturgruppe bilden, die «Büro-Intendanz-Funktion» übernimmt

Kommunikation

  • Persönliche Gespräche; Co-Worker (mit Feingefühl) aktiv ansprechen, nachfragen bei wichtigen Ereignissen
  • Infoboard handgeschrieben im Eingangsbereich und WunderWand
  • Aufsteller und Flyer
  • E-Mails und Newsletter
  • Website
  • Social Media, wie LinkedIn und Instagram
  • Enterprise-Social-Networking-Plattformen (Teams, Beekeeper, Slack etc.) gezielt einsetzen für den niederschwelligen Informationsaustausch und die Vernetzung
  • Team/Thema X stellt sich vor (physisch/virtuell)

Rituale

  • Onboarding-Ritual
  • Kleine, spontane Gesten im Alltag mit grosser Wirkung, die Zugehörigkeit und Wertschätzung ausdrücken
  • Glückwünsche zum Geburtstag oder zu besonderen Ereignissen
  • Eine Aufmerksamkeit zur bestandenen Prüfung, dem Firmenjubiläum oder einem besonderen Ereignis – sei es erfreulich oder traurig
  • Saisonale Aufmerksamkeiten
  • Budget für kleine Geschenke und spontane Anlässe einplanen
  • Karten für Glückwünsche bereithalten
  • Kalender führen mit besonderen Ereignissen und anstehenden Jubiläen
  • Vorleben und initialisieren – im Idealfall ist später jede/-r ein Community Manager. Am Anfang ist es aber wichtig, zu signalisieren, dass das geschätzt wird.

 

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Barbara Josef ist Co-Gründerin von «5-9 AG» und begleitet Organisationen in Transformationsprozessen. Ihre grösste Leidenschaft gilt dem Thema Zukunft der Arbeit. Sie hat diverse Studien und Artikel zum Thema «Neue Arbeitswelten» sowie Coworking publiziert. 

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Elisabeth Hirtl ist Mitgründerin und Geschäftsführerin des Co-Working-Spaces «Wunderraum». Sie begleitete Teams in neue Arbeitswelten und setzte sich früh mit der Frage auseinander, welche Voraussetzungen gesundes Arbeiten im digitalen Zeitalter ermöglichen.

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