Arbeitsmarktfähigkeit

«Spieglein, Spieglein an der Wand... Wer ist die Gefragteste im ganzen Land?»

Den Zeitpunkt seines Abgangs kann man heute häufig nicht selbst bestimmen – das gilt natürlich auch in der Assistenz. Überlegen Sie sich daher frühzeitig, wie Sie Ihre Position auf dem Arbeitsmarkt verbessern können. Gute Vorbilder sind meist nicht weit weg. 

Die Medien überfluten uns täglich mit Meldungen von Umstrukturierungen sowie Ver­lagerungen ganzer Abteilungen und Produk­tionsstätten, wodurch Arbeitsplätze verschoben oder gleich ganz gestrichen werden. Die Firmen sind in Zeiten der Globalisierung, der rasanten Entwicklung der Technologie und der volatilen Wirtschaft mit täglich neuen Herausforderungen konfrontiert. Das wirkt sich natürlich auf die Anforderungsprofile der Arbeitnehmer aus.  
Assistentinnen sind von diesen Rahmenbedingungen genauso tangiert wie alle anderen Mitarbeiter. Allerdings befinden sie sich in einem zusätzlichen Abhängigkeitsverhältnis: nämlich zu ihrem Chef. Geht dieser oder wird er entlassen, ist die Assistentin häufig die nächste, die geht: Neue Vorgesetzte bringen oft eine eigene Assistentin mit. Denn gerade in diesem Arbeitsverhältnis ist die Chemie zwischen beiden entscheidender als in jeder anderen Berufsgruppe. Die Konsequenz: Sie können heute eine ausgezeichnete Assistentin sein und verlieren morgen trotzdem ihren Job. Sind Sie darauf vorbereitet?
 
 

Sie sind Ihr eigenes Produkt

Unternehmensleitungen müssen sich permanent fragen, wie sie ihr Unternehmen aufstellen, damit es morgen noch erfolgreich am Markt agieren kann. Es reicht nicht mehr, sich diese Frage alle paar Jahre in Strategie-Workshops zu stellen. Die Welt dreht sich schneller, die Firmen müssen sich laufend danach ausrichten. Arbeitnehmer haben im Prinzip die gleiche Herausforderung. Auch sie müssen sich fragen, wie ihr einziges Produkt – nämlich sie selbst – auf lange Sicht attraktiv für den Markt bleibt. Wann haben Sie sich das letzte Mal gewissenhaft mit Ihrem Potenzial bei einer Jobsuche beschäftigt? Schon länger her? Wer der Regisseur seines Lebens sein und bleiben will, sollte lieber heute als morgen mit einem persönlichen Strategie-Check anfangen. Es geht darum, sich bewusst und regelmässig mit der eigenen Arbeitsmarktfä­higkeit auseinanderzusetzen und notwendige Massnahmen möglichst früh einzuleiten.
 
 
Wie sieht Ihre Ausgangslage aus? Natürlich sieht die persönliche Ausgangs­si­tuation in jedem Fall anders aus. Vielleicht finden Sie sich in einem Szenario wieder:
Szenario 1: Sie sind sehr zufrieden mit Ihrer Arbeit im heutigen Umfeld und sehen überhaupt keinen Grund, sich über Arbeitsmarktfähigkeit Gedanken zu machen, weil Sie sich sicher und glücklich fühlen. 
Szenario 2: Sie gehören zu den Personen, die sich gerade in der Komfortzone befinden – beruflich ist alles okay, wenn auch etwas langweilig. Oder ist Ihnen schlicht eine gewisse Begeisterung abhandengekommen? Vielleicht haben Sie erfahren, dass Ihre Kollegin, die genau den gleichen Job macht, einiges mehr verdient als Sie – und das nagt an ihrem Selbstbewusstsein? Oder Sie fühlen sich unterfordert und haben nicht den Mut oder die Energie, Veränderungen anzupacken. 
Szenario 3: Sie haben eine Aus- oder Weiterbildung erfolgreich absolviert, können das Gelernte aber kaum umsetzen – und auf die erhoffte Gehaltserhöhung warten Sie noch immer. 
Szenario 4: Der Klassiker – es gefällt Ihnen nicht mehr wirklich, aber Sie haben zu viel zu tun, um sich um einen neuen Job zu kümmern. 
 

Sechs Fragen und Tipps, um Ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu stärken?

  1. Kennen Sie die Profile der Assistentinnen, die in ihrer Firma am erfolgreichsten sind? Wissen Sie, warum sie Erfolg haben? Beobachten und reflektieren Sie, wie sich diese verhalten.
  2. Welche drei Positionen, die in diesem Jahr intern oder extern vergeben wurden, hätten Sie sehr interessiert? Sind Sie für diese angefragt worden? Wenn nein, erfragen Sie die Gründe.
  3. Wollen Sie entdeckt werden oder zeigen Sie sich? Arbeiten Sie aktiv darauf hin, dass man Ihre Leistungen und Ihre Persönlichkeit im Positiven wahrnimmt. In Ihrer jetzigen Firma sowie auf dem Arbeitsmarkt.
  4. Lesen Sie regelmässig die offenen Stellenanzeigen, die Ihrem Profil entsprechen, respektive die von der Verantwortung her eine Stufe höher angesiedelt sind? Leiten sie daraus ab, welche Ausbildungen, Weiterbildungen, fachlichen Skills und Persönlichkeitskompetenzen dafür gefragt sind. Vergleichen Sie diese regelmässig mit Ihren eigenen und leiten Sie notwendige Aktivitäten frühzeitig ein, um gefragt zu sein.
  5. Wie sieht Ihr Xing- oder Linkedin-Profil aus? Haben Sie ein vorteilhaftes, professionelles Foto hochgeladen? Hebt Ihr Profil Ihre Persönlichkeit und Ihre Stärken hervor? Passt es zu Ihrem Jobprofil als Assistentin? Suchen Sie den Vergleich mit erfolgreichen Assistentinnen. Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Profil Ihre digitale Visitenkarte und eine hilfreiche Plattform für Ihren nächsten beruflichen Entwicklungsschritt ist.
  6. Net(t)zwerken Sie. Bauen Sie bewusst zu fünf Firmen Kontakte auf, die Sie interessieren, oder zu Personen, die strategisch für eine berufliche Weiterentwicklung sein könnten
Eine wichtige Regel lautet: Erfolgreiches Netzwerken ist gegenseitiges Geben und Nehmen. Pflegen Sie Ihre Kontakte regelmässig.
 

Der Strategiecheck

Welche Möglichkeiten bieten sich Ihnen an, um Ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu überprüfen? Es gibt Seminare oder Laufbahnberatungen zur persönlichen Standortbestimmung. Sie können einen Coach oder Mentor hinzuziehen. Auch Freunde, Familie, Arbeitskolleginnen oder professionelle Personalberater können Ihre Gesprächspartner sein. Ein pragmatischer Ansatz ist, dass Sie sich zunächst selbst mit ein paar Fragen auseinandersetzen. Kennen Sie in Ihrer oder anderen Firmen erfolgreiche Assistentinnen? Reflektieren Sie nicht nur die verschiedenen Kompetenzen und Erfahrungen, sondern auch deren Verhalten und Auftritt. 
 
Welche drei ausgeschriebenen Stellen haben Sie brennend interessiert und was wären mögliche neue Arbeitgeber für Sie gewesen? Wurden Sie im Auswahlverfahren berücksichtigt oder gar direkt angefragt? Wenn nein, evaluieren Sie die Gründe. Wollen Sie entdeckt werden oder zeigen Sie sich auf dem Arbeitsmarkt? Wenn Sie nicht proaktiv daran arbeiten, dass man Ihre Persönlichkeit und Leistungen wahrnimmt, kann es gut sein, dass Sie auch für die nächsten Jahre unentdeckt bleiben. Überlegen Sie sich, wo und wie Sie sich im Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt positionieren können. Lesen Sie regelmässig Stellenanzeigen und überprüfen Sie, welche Profile gefragt sind. Vergleichen Sie diese mit Ihrem eigenen und leiten Sie Massnahmen ein, um allfällige Gaps zu schliessen.
 
Ihre persönliche digitale Visitenkarte ist ein Xing- oder Linkedin-Profil, das einer profes­sionellen Assistentin gerecht wird. Suchen Sie Beispiele, an denen Sie sich orientieren können. Netzwerken Sie? Ja sicher – aber damit ist nicht gemeint, dass Sie sich mit all Ihren Freunden oder Arbeitskollegen verlinken. Es geht um ein strategisch ausgerichtetes be­rufliches Netzwerk. Was das heisst? Bauen Sie zum Beispiel Kontakte zu fünf Firmen auf, die Sie morgen als Arbeitgeber interessieren könnten. Ebenfalls zu Personen, die strategisch für Ihre berufliche Entwicklung von Bedeutung sein könnten: Wie sind Sie vernetzt mit jenen Führungskräften, die in Ihrer Firma gearbeitet haben und nun extern Karriere machen? Pflegen Sie dieses Netzwerk aktiv?
 
 

Regisseur des eigenen Lebens

Möchten Sie auf Unsicherheiten, die wir täglich in den Medien hören und die somit zur Realität gehören, vorbereitet sein? Verfolgen Sie Ihren persönlichen Weg oder werden Sie von Ihrem Umfeld hin und her geschoben? Setzen Sie sich regelmässig mit dem Arbeitsmarkt und seinen Anforderungen sowie Ihren persönlichen Zielen und Wünschen auseinander. Steuern Sie Ihre Aktivitäten so, dass Ihre persönliche Arbeitsmarktfähigkeit hoch bleibt. Die Zukunft liegt in Ihrer Hand – es gibt keinen Grund, auf morgen zu warten. Wenn Sie gut vorbereitet sind, bringt Sie auch eine Umstrukturierung oder ein Jobverlust nicht aus der Balance und Sie finden rasch eine (noch bessere) Anschlusslösung. 
 
 
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Jutta Schilling ist Senior Consultant der Humanis AG und rekrutiert qualifizierte Executive Assistants für Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte (VRPs). Sie war 18 Jahre als Managerin für einen der weltweit grössten IT-Anbieter in der Schweiz tätig, unter anderem als stra­tegischer HR Business Partner und Leiterin ­Career Center – und bringt grosse ­Führungs- und Rekrutierungserfahrung ­sowie fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse mit.
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