Was ist überhaupt…

Was ist überhaupt … Metawork?

Gerade haben wir uns an mobiles und hybrides Arbeiten gewöhnt und uns mit New Work vertraut gemacht, da kommt schon etwas Neues um die Ecke: Metawork.
Das Arbeiten an und im Metaverse soll die Arbeitswelt in den kommenden Jahren massiv verändern – und tut es bereits.

Um was geht’s?

In der letzten Ausgabe drehte sich an dieser Stelle alles um das gerade entstehende Metaverse und die Möglichkeiten, die sich damit bieten. Man kann es sich als eine Art 3D-Interaktionsraum vorstellen, der die Kluft zwischen der realen und der digitalen Welt verkleinern wird. Das Metaverse wird aber nicht nur Spielwiese für Gamer und Freunde virtueller Erlebnisse sein, sondern hat das Potenzial, auch die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Sowohl Virtual und Augmented Reality (VR und AR) als auch 5G, künstliche Intelligenz (KI), das Internet der Dinge und Tools für die digitale Zusammenarbeit werden zum Einsatz kommen und die soziale Vernetzung und die digitale Mobilität steigern und auch die Formen der Zusammenarbeit erweitern. Am virtuellen Arbeitsplatz kann man künftig vom Büro in den Konferenzraum und dann in die Fabrikhalle wechseln, die Kollegen sind als Avatare vertreten und das Lernen geht dank Virtualisierung und Gamification viel schneller und freudvoller von der Hand. Unternehmen sehen im Metaverse die Möglichkeit, die Interaktivität und den Spass am teambasierten Arbeiten und Lernen zu steigern und gleichzeitig die Flexibilität und Bequemlichkeit des Homeoffice zu erhalten. Das ist alles vielleicht noch vorstellbar, aber die Veränderungen gehen noch viel weiter: Im Metaverse sind nicht nur menschliche, sondern auch digitale Kollegen denkbar, die von KI unterstützt werden. Und der Aufbau des Metaverse und die Wirtschaft darin bringt ganz neue Unternehmensformen und Aufgaben mit sich. All diese Veränderungen, also das Arbeiten im und am Metaverse, werden unter dem Begriff Metawork zusammengefasst. In diesem Artikel steht aber nur die Arbeit im Metaverse im Fokus, denn die wird jeden von uns betreffen. Die Arbeit am Metaverse dagegen ist eher etwas für Techs und Spezialisten.

Wie funktioniert´s?

In den klassischen Videokonferenzen mit Kamera hat man nicht das Gefühl, sich an einem Ort zu treffen, und auch die Interaktionsmöglichkeiten sind sehr beschränkt. Das alles ändert sich in der virtuellen Welt des Metaverse, dank schnellem Internet, guter Grafik und VR-Brille. Menschen können sich an einem Ort versammeln, sich dort eigenständig bewegen und mit Kollegen und Objekten interagieren. Natürlich nicht wirklich körperlich, sondern als Avatar oder Hologramm. Die Technik dafür gibt es heute schon: AR- und VR-Headsets kommen in Computerspielen zum Einsatz und Webex Hologram kann statt der normalen Video-Kacheln fotorealistische Echtzeit-Hologramme der Meeting-Teilnehmenden erzeugen. Dasselbe funktioniert auch mit Objekten. Im Metaverse betrachtet man die Hologramme von Menschen und Objekten dann allerdings nicht mehr von aussen und über einen Bildschirm, man ist Teil der 3D-Welt im virtuellen Raum und bewegt sich in ihr. Das bietet ungeahnte Möglichkeiten, in Kontakt zu treten und zusammenzuarbeiten.

Vieles der «Hardware», die wir heute kennen, wie grosse Messehallen oder Fortbewegungsmittel werden damit unwichtiger. Denn gerade Messen sind Veranstaltungsformate, die wahrscheinlich sehr schnell ins Metaverse verlegt werden – schon heute nutzen einige Unternehmen virtuelle Showrooms. Wieso sollten Menschen sich in der realen Welt von A nach B bewegen, um andere zu treffen und neue Produkte anzuschauen, wenn das im virtuellen Raum genauso gut und noch viel einfacher geht? Auch für Konferenzen oder Meetings eignet sich das Metaverse gut. Als Avatare können Menschen miteinander interagieren, Präsentationen an die Wand werfen oder an einem Whiteboard zusammenarbeiten. Und selbst in der Produktion bietet das Eintauchen in eine 3D-Welt viele Vorteile. schon heute finden viele Trainings virtuell statt. Wenn die reale mit der virtuellen Welt gekoppelt ist, kann ein Arbeiter die Produktion irgendwann vom heimischen Schreibtisch aus überwachen und steuern, ohne in der Halle zu sein. Spätestens dann kommt aber auch KI ins Spiel. Denn ohne die ist eine Kopplung nicht vorstellbar. Im Metaverse wird sie aber wahrscheinlich in anderen Formen daherkommen, als wir sie jetzt kennen. Denn in der virtuellen Welt kann auch ein Chatbot aussehen wie der Avatar eines Menschen. Das verändert unsere Wahrnehmung und macht sie uns ähnlicher. Mit den neuen Formen der Zusammenarbeit wird sich auch die Führung von Teams noch einmal verändern. Schon jetzt ist die klassische hierarchische Führung auf dem Rückzug und im Metaverse wird es noch stärker darum gehen, Mitarbeitende zu inspirieren und zu motivieren als sie zu kontrollieren.

Was bringt´s?

Microsoft-Gründer Bill Gates ist überzeugt, dass das Metaverse sehr schnell in die Arbeitswelt Einzug halten wird. Schon in zwei bis drei Jahren würden sehr viele virtuelle Meetings in 3D statt in 2D stattfinden, prophezeit er. Technisch nähere man sich der Schwelle, an der man die Erfahrung des Zusammenseins im Büro wirklich nachahmen könne. Für die arbeitenden Menschen kann das bedeuten, dass der physische Arbeitsplatz wegfällt und sie hinsichtlich ihres Standorts flexibler werden. Auch so etwas wie Sprachkenntnisse können dank Echtzeit-Übersetzungsmöglichkeiten irrelevant werden. Für viele Unternehmen aus planungsintensiven und innovationsgetriebenen Bereichen wie Gesundheitswesen, Industrie oder Bauwesen eröffnet sich im Metaverse die Chance, sich mit Ideen auseinanderzusetzen und Probleme anhand von 3D-Modellen visuell zu lösen, statt aufwendige Tests in der realen Welt durchzuführen. Das Ergebnis wären präzisere Entwürfe und Entscheidungen – mit weniger Zeitaufwand und zu geringeren Kosten.

Macht’s auch Probleme?

Bisher steckt das Metaverse noch in den Kinderschuhen und es ruckelt an allen Ecken und Enden. Die Cambridge University hat gemeinsam mit der Hochschule Coburg 16 Personen für 35 Stunden pro Woche einmal in einem herkömmlichen und danach in einem VR-Büro arbeiten lassen. Das VR-Büro schnitt bei den Studienteilnehmenden signifikant schlechter ab. 19 Prozent der Teilnehmenden fanden die Arbeit dort stressiger, 35 Prozent die Arbeitslast grösser und 16 Prozent hielten sich für weniger produktiv. Und auch gesundheitlich gab es zahlreiche Beschwerden. Geklagt wurde wegen Überanstrengung, ermüdeter Augen, Kopfschmerzen und sogar Übelkeit. Zwei Probanden mussten aus dem Experiment sogar bereits nach einem Tag ausscheiden – sie kamen mit dem Tragen des Headsets nicht klar. Kein Wunder, dass VR-Brillen bisher vor allem ein Nischenprodukt geblieben sind. Und auch viele Unternehmen blicken skeptisch auf das Metaverse, wenn sie nicht gerade am Aufbau beteiligt sind und es als Geschäftsfeld begreifen. Gerade im Bereich der Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen halten es viele für überschätzt. Der Hauptkritikpunkt: Für wirkliche Teamarbeit brauche es Empathie und echten Kontakt. Es ist zwar vorstellbar, dass ein Teil ihrer heutigen Routinetätigkeiten künftig von einem digitalen Bot in Avatarform erledigt wird, aber ein Team zusammenzuhalten, dass sich nicht real sieht, und Menschlichkeit in die digitale Welt zu bringen, das kann künstliche Intelligenz wohl kaum.

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