HR und Innovation

«Akzeptanz ist der schnellste Weg zur Veränderung»

«Ja, aber» tönt es oft von seiten Chef oder Arbeitskollegen, wenn eine neue Idee in den Raum geworfen wird. Berthold Gunster 
plädiert dafür, sich lieber mit der «Ja und»-Sichtweise auf die Möglichkeiten statt auf die Hindernisse zu fokussieren.

Was ist der Unterschied zwischen der «Ja, aber»-Sichtweise und der «Ja und»-Sichtweise?

Berthold Gunster: Bei «Ja, aber» sieht man vor allem, was nicht vorhanden ist, aber hätte sein sollen: vor allem Bedrohungen und Beschränkungen. Mit «Ja und» steht aber das, was vorhanden ist, im Vordergrund: also die Chancen und Möglichkeiten. «Ja, aber» ist die Position der Kontrolle; «Ja und» hingegen die Position des Schaffens.

Ist die «Ja, aber»-Mentalität in den Unternehmen schuld daran, dass Innovationen auf der Strecke bleiben?

Schuld würde ich nicht sagen. Besser ist es, zu sagen, dass wir mit dem «Ja und»-Verhalten mehr Möglichkeiten sehen und demzufolge auch schneller und lückenloser innovieren können.

Warum schauen wir vieles mit einem «Ja, aber»-Blick an?

Weil Angst uns schneller motiviert als Hoffnung. Das haben auch wissenschaftliche Untersuchungen ergeben.

Wann hilft uns «Ja, aber»?

Wenn es gut ist zu kontrollieren. «Ja, aber» ist sogar die Kernkompetenz von Berufsgruppen wie Journalisten, Anwälten und Wissenschaftlern. Die werden, sozusagen, fürs «Ja-abern» bezahlt. Sie müssen im Grunde kontrollieren. Aber auch für andere gilt, dass es nützlich und notwendig sein kann, vor einer Entscheidung noch einmal nachzudenken. Aber … wenn dies das Einzige ist, was wir tun, denken wir letztendlich nur noch über das nach, was wir tun könnten. Und Nachdenken über das Leben ist etwas anderes als das Leben leben.

Was verändert sich durch die «Ja und»-Sichtweise?

Es wird ab und zu möglich, eine Bedrohung in eine Möglichkeit umzuwandeln. Ein Beispiel: Ein Mann, der seine Haare verliert, kann das als Problem erfahren. Es ist aber auch möglich, die Tatsache zu akzeptieren und daraus eine neue Möglichkeit zu kreieren. Wie? Einfach. Wenn man Kahlheit als neue Mode definiert.

Kann man das Prinzip lernen?

Ja, ganz einfach. Es fängt damit an, sich bewusst zu werden, dass man ständig geneigt ist, Widerstand gegen die Wirklichkeit zu entwickeln. Wenn Sie das bei sich beobachten, können Sie einfach anfangen, damit aufzuhören. Das ist noch ziemlich schwer, denn wir neigen dazu, die Wirklichkeit nach unseren Vorstellungen zu erzwingen. Aber letztendlich ist es leichter, die Wirklichkeit zu akzeptieren, als sie fortwährend verändern zu wollen. Am Ende ist Akzeptanz der schnellste Weg zur Veränderung.

Berthold Gunster

Berthold Gunster ist 
Autor des Buches 
«Ja-aber – was, wenn alles klappt?». Auf der Basis seiner Erfahrungen als Theaterregisseur und 
Bühnenautor entwickelte er das Ja-aber-Konzept für Unternehmen, Organisationen und Privatleute. Er gibt Seminare, Workshops und Trainings zu diesem Thema.

 

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Stefanie Zeng ist Online Redaktorin bei Miss Moneypenny. 

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