Als Expertin andere Frauen stärken
Frauen sehen sich, insbesondere in männerdominierten Branchen, oft noch mit zahlreichen Karriere-Hindernissen konfrontiert. Diese zu überwinden, erfordert auch eine gemeinsame Kraftanstrengung der Frauen, findet Gastautorin Barbara Liebermeister.
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In den zurückliegenden Jahren hat sich aus Frauensicht im Gros der Unternehmen vieles zum Positiven gewandelt. Dessen ungeachtet erleben Frauen es im Berufsleben noch oft, dass sie sich – insbesondere in männerdominierten Branchen und Berufen – stärker behaupten müssen als ihre männlichen Kollegen, um die gleiche Anerkennung zu erfahren und dieselben Aufstiegschancen zu haben.
Frauen, die es bereits geschafft haben und in ihren Unternehmen eine exponierte Position als Spezialistin innehaben, spielen beim Verändern dieser Situation eine zentrale Rolle, denn: Sie können andere Frauen bei ihrer Entwicklung unterstützen: fachlich, persönlich und strategisch.
Die Herausforderungen erkennen und benennen
Frauen sehen sich in der Arbeitswelt oft mit folgenden strukturellen und kulturellen Barrieren konfrontiert:
- Unbewusste Vorurteile (Unconscious Bias): Frauen werden häufig als weniger durchsetzungsstark sowie risiko- und technikaffin wahrgenommen, selbst wenn sie einen Abschluss an einer technischen Universität erworben haben. Das wirkt sich negativ auf ihre Gestaltungsmöglichkeiten, ihren Karriereverlauf usw. aus.
- Fehlende Rollen-Vorbilder: In vielen Unternehmen fehlen Frauen in Top-Positionen, die zum Beispiel jüngeren Kolleginnen als Vorbilder dienen können und ihre Zuversicht stärken.
- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: In nicht wenigen Betrieben existieren zwar flexible Arbeitsmodelle und Work-Life-Balance-Konzepte auf dem Papier, ihre Wahrnehmung wird kulturell aber kaum unterstützt; insbesondere bei Personen, die in der Organisation Schlüsselpositionen innehaben.
- Netzwerkstrukturen: Viele informelle Netzwerke im Business-Bereich sind weiterhin männlich geprägt. Frauen haben deshalb oft nur einen eingeschränkten Zugang zu wichtigen Kontakten und Informationen.
Diese Hürden sollten Frauen in exponierten Positionen offen ansprechen, um in ihrem Umfeld ein Bewusstsein hierfür zu schaffen – auch damit ihre Kolleginnen die negativen Folgen hiervon nicht als eine Konsequenz persönlicher Defizite erfahren. Dies ist der erste Schritt in Richtung Veränderung.
Mentoring als gezielte, individuelle Unterstützung
Ein wirksames Instrument zum Empowern von Frauen ist das Mentoring, also die unterstützende Begleitung von nachrückenden Fach- und Führungskräften durch erfahrene (Kollegen und) Kolleginnen. Gute Mentorinnen teilen Wissen und Erfahrungen. Sie geben Einblicke in Unternehmensstrukturen, Entscheidungsprozesse und mögliche Karrierepfade. Zudem stärken sie das Selbstvertrauen. Gerade in herausfordernden Situationen hilft die Perspektive einer erfahrenen Mentorin oft, Rückschläge und Widerstände einzuordnen und sich neu zu fokussieren.
Mentorinnen können ausserdem Kontakte vermitteln, Empfehlungen aussprechen und Netzwerke zugänglich machen. Zudem stimulieren Mentoring-Beziehungen oft wechselseitige Lernprozesse, von denen auch die Mentorinnen profitieren; unter anderem, weil sich ihnen neue Perspektiven eröffnen, die ihren Horizont erweitern.
Digitalisierung als Chance begreifen und nutzen
Die Digitalisierung eröffnet Frauen neue Möglichkeiten, sich zu vernetzen, zu lernen und sich zu positionieren:
Online-Communities und Business-Plattformen wie LinkedIn ermöglichen den Austausch über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Frauen können dort ihre Expertise zeigen und sich wechselseitig sichtbar machen.
Virtuelle Mentoring-Programme und Peer-Gruppen erlauben es, auch über Distanzen hinweg Wissen und Unterstützung zu teilen – besonders wertvoll ist dies in dezentral organisierten und internationalen Unternehmen.
Digitale Weiterbildungsangebote erleichtern den Zugang zu neuem Know-how, beispielsweise zu den Themen Leadership, KI-Nutzung, Kommunikation und Selbstmanagement.
Frauenförderung als Teil der Unternehmenskultur
Individuelle Initiativen haben meist nicht die Kraft, Organisationen nachhaltig zu verändern, sofern sie nicht auf eine für Veränderungen offene Unternehmenskultur stossen. Frauen in Führungspositionen können hier als Change-Treiber fungieren, indem sie Diversity-Programme mitgestalten und weiterentwickeln, transparente Beförderungs- und Vergütungsprozesse einfordern, eine inklusive Führung vorleben und Männer als Verbündete in dem Prozess gewinnen. Gleichstellung ist in dem Zuge nicht als reines «Frauenthema», sondern als Erfolgsfaktor von Unternehmen zu begreifen.
Fazit
Echte Gleichstellung kann man Organisationen nicht verordnen. Sie wächst durch das Engagement von Frauen für sich selbst und für andere Frauen, sowie auch mit der Bereitschaft von Männern, sich ihrer unbewussten Vorurteile, bewusst zu werden und ihre gewohnten Reiz-Reaktionsmuster zu verändern.
Dieser Text wurde zur Verfügung gestellt von Die PRofilBerater GmbH.