Dress for Success

Der Teufel steckt im Detail

Dresscode hin oder her – was wir im Büro tragen, muss einfach gut sitzen. 
Ob das der Fall ist oder nicht, hängt manchmal nur von Details ab. Mode-
Expertin und Buchautorin Katharina Blansjaar weiss, was geht – und was nicht.

Die Bluse – keine Einblicke

Eine gute Bluse lässt dem Busen seinen Raum – bilden sich zwischen den Knöpfen «Gucklöcher», ist es keine gute Bluse. In der Taille liegt die Bluse an. Tut sie das nicht, trägt es unschön auf. Wer einen eher üppigen Busen hat, aber eine schmale 
Taille, sollte über eine Massanfertigung nachdenken. Wie beim Herrenhemd blitzen die Ärmel der Langarmbluse unterm Blazer hervor. Im Gegensatz zu den Herren können Frauen auch kurzärmlige Blusen tragen – Hauptsache, die Schulter ist bedeckt.

Farblich geht Weiss immer. Je nach Hautton und Haarfarbe ist ein kühles Reinweiss oder ein warmes Crèmeweiss besser. Achtung bei blondiertem Haar: Crèmeweiss kann den Gelbstich im Haar optisch verstärken!

Auch beim Kragen nicht einfach draufloskaufen. Klassisch sind ein Kent- oder ein Haifischkragen. Ebenfalls zu empfehlen: unauffällige Stehkragen. Vorsicht bei Bubikragen: Der kann sehr schön aussehen, wirkt aber unter Umständen kindlich und lolitahaft. So genannte Spatenkragen, wie ihn zum Beispiel Arztkittel haben,  sind meist ziemlich mächtig und tragen unterm Blazer auf, ausserdem wirken sie etwas altbacken.

Alternativen zur klassischen Bluse: Schlupfbluse (ohne Knopfleiste), Tops mit Ärmeln aus festem eher elegantem Stoff. T-Shirts und Oberteile aus Jersey können schnell zu freizeitlich wirken.

Alternativen zu Weiss: helles Blau, je nach Hautton und Arbeitgeber auch andere Pastelltöne. Die Bluse sollte lieber hell sein – eine dunkle Bluse macht breiter. Ausserdem reflektiert ein helleres Oberteil Licht und lässt das Gesicht jünger und gesünder aussehen.

Die Hose – weit gefehlt

Bei weiten Hosenbeinen kann die Trägerin deutlich mehr verkehrt machen als bei engen. Weite Beine verlangen danach, perfekt auf die Schuhe abgestimmt zu sein, sonst wirken sie albern. Es ist ausserdem ein Irrglaube, dass feste Oberschenkel in weiten Hosen schmaler wirken.

Am besten und derzeit eindeutig modischer sind schmal zulaufende Hosenbeine. Die Hose darf auch einen Umschlag haben und sie darf den Knöchel zeigen. Unter der Hose trägt Frau semitransparente Strümpfe. Kniestrümpfe sind oft besser als Söckchen, denn der obere Rand sollte nie zu sehen sein. Was gar nicht geht, sind normale Socken.

Am Bund sollte die Hose ohne Gürtel sitzen und nicht rutschen. Wer den ganzen Tag sitzt, trägt einen Gürtel sowieso besser nur zur Dekoration. Denn muss man ihn festzurren, werden Magen und Darm davon unglücklich.

Der Blazer – eins, zwei oder drei

Die Achtziger sind seit einiger Zeit vorbei und den Job stemmen Frauen seither bestens auch mit feinen Schultern. Also: bloss keine übergrossen Schulterpolster.

Je nach Grösse und Figur empfehlen sich unterschiedliche Schnitte: Dreiknöpfer sind besonders für kleine, zierliche Frauen mit langem Oberkörper und wenig Busen geeignet. Zweiknöpfer passen zu jeder Figur und sind die zeitloseste Variante.

Einknöpfer sind im Moment sehr in Mode. Allerdings sehen sie vor allem an grossen Frauen mit verhältnismässig langen, schmalen Beinen gut aus, denn der lange Schnitt und der tiefe Ausschnitt verkürzen optisch den Körper und vor allem die Beine.
Schwarz, Dunkelgrau, Dunkelblau sind klassisch. Je nachdem, wie konservativ der Dresscode des Arbeitgebers ist, gehen auch andere gedeckte Farben. Braun ist zurzeit nicht unbedingt in Mode.

Beim Blazer ist die Qualität enorm wichtig: Ein leichter, möglichst knitterfreier Wollstoff ist für viele angenehm.

Und sonst

Perfekte Passform

Viele haben das Thema Masskonfektion nicht auf dem Schirm. Im Gegensatz zur Massschneiderei, die wirklich teuer ist, existieren bei Masskonfektion schon Schnittmuster, die dann an jeden Einzelnen angepasst werden. Masskonfektion kostet kein Vermögen mehr, viele grössere Bekleidungsketten wie zum Beispiel Schild bieten sie an. Eine masskonfektionierte Bluse ist ab 150 Franken zu haben.

Ändern lassen

Die wenigsten Frauen haben eine perfekte «Stangengrösse». Praktisch alle Bekleidungsgeschäfte  bieten einen Änderungsservice an. Lassen Sie sich beraten und von einer Fachperson mögliche Änderungen abstecken. Gerade bei Ärmeln oder beim Hosenbund ist oft Potenzial. Denn in der Arbeitskleidung verbringen Sie mehr Zeit als in allen anderen. Sie sollte perfekt passen und das Beste aus Ihnen herausholen.

Nicht unterschätzen

Wir können protestieren, so oft wir wollen. Tatsache ist: Frauen werden auch im Beruf oft nach ihrem Äusseren beurteilt. Je besser Ihr Outfit sitzt, desto eher werden Sie respektiert und ernst genommen. Vor allem auch, weil gute Kleidung dazu führt, dass man sich wohl fühlt. Ein guter Schnitt, ein hochwertiges Material und ein gepflegtes Aussehen können Ihrer Karriere auf die Sprünge helfen.

Unbedingt vor dem Kauf die Passform überprüfen – der Rock darf nicht «drehen». Trauen Sie sich, beim Anprobieren zu marschieren, zu hüpfen und sich mehrfach hinzusetzen. Sie verbringen viel Zeit in Ihrer Arbeitskleidung – es ist wirklich wichtig, dass Sie sich darin wohlfühlen!

Der Rock – rockt nur mit Absatz

Wer einen Rock trägt, erklärt sich sozusagen automatisch mit gewissen Gegebenheiten einverstanden:

1. Wer Rock trägt, trägt Absatz. Es darf auch ein winziger Kitten-Heel sein, aber es sollte ein feiner, eleganter Absatz sein. Keine Ballerinas! Die wirken schnell ungepflegt und machen einen «Watschelgang».

2. Wer Rock trägt, trägt Strumpfhose (siehe rechts oben).

Die Regel mit der Handbreit über oder unter dem Knie gilt nach wie vor. Finger weg von der so «angesagten» Midilänge! Ein Rock, der in der Mitte der Wade endet, tut nichts für die weibliche Figur. Sogar Topmodels sehen darin aus wie Gartenzwerge.

Klassisch ist ein Bleistiftrock. Allerdings ist der für Frauen mit kräftigen Oberschenkeln nicht immer vorteilhaft. Alternativ kann eine A-Linie getragen werden – das ist im Sommer auch angenehm luftig.

Und immer schön dran denken: Ein Rock hat eine Sitz- und eine Stehlänge. Ein Rock, der im Sitzen 
bis zur Schamgrenze hochrutscht, gehört nicht ins Büro. Und darf auch sonst hinterfragt werden.

Die Strümpfe – lieber unten mit

Hautfarbene Strümpfe sollten so fein wie möglich (8 bis 15 den) und auf den Hautton abgestimmt sein. Im Sommer und Herbst passt meist eine Nuance dunkler als im Frühling, wenn die Beine noch in Weiss erstrahlen. Wer im Sommer einen Rock oder ein Kleid trägt, sollte auf keinen Fall auf Strumpfhosen verzichten. Ab etwa 40 den sehen hautfarbene Strümpfe nicht mehr elegant aus. Farbige Strümpfe können hingegen eine Dichte von bis zu 80 den haben. Viel dicker allerdings nicht. An kühlen Tagen sollte man zu einer Strumpfhose im Farbton des Outfits greifen. Finger weg von der Hochglanzoptik. Ideal sind seidenmatte Strümpfe.

Das Etuikleid – die Allzweckwaffe

Ohne gross kombinieren zu müssen, ist man mit einem Etuikleid immer gut angezogen. Dazu braucht das Kleid aber immer mindestens einen Ärmelansatz. Die äusseren Rundungen der Schultern sollten bedeckt sein. Bei der Länge und dem Schnitt gilt dasselbe wie beim Rock.

Das Material sollte möglichst knitterfrei 
sein, sonst bilden sich im Taillenbereich durch langes Sitzen hässliche Falten. Damit gilt: Finger weg von Leinen.

Ein Etuikleid wirkt besonders schön in einer leicht anderen Nuance als der Blazer oder in einem anderen Material. Die Kombination zweier Farbtöne beziehungsweise Materialien verleiht Ihrem Outfit Struktur.

Buchtipp

Den Schrank voll und nix anzuziehen? Das neue Buch von Katharina Blansjaar zeigt, wie man die eigene Garderobe auf Vordermann bringt und lässt sich auch noch 
sehr unterhaltsam lesen!

Katharina Blansjaar: Ganz mein Stil. Beobachter Edition, 2014.

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Stefanie Zeng ist Online Redaktorin bei Miss Moneypenny. 

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