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Laufbahnberatung als Kompass für den nächsten Karriereschritt

Eine gezielte Laufbahnberatung unterstützt Assistenzfachkräfte dabei, ihre Erfahrung bewusst weiterzuentwickeln, unabhängig davon, ob sie bereits einen eidgenössischen Fachausweis abgeschlossen haben oder diesen Schritt noch planen. Sie schafft Klarheit, ordnet Weiter­bildungsoptionen ein und verbindet Persönlichkeit mit beruflicher Perspektive. 

Claudia arbeitet seit acht Jahren als Direktionsassistentin. Den eidgenössischen Fachausweis hat sie vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Sie unterstützt die Geschäftsleitung auf strategischer Ebene, organisiert Verwaltungsratssitzungen, koordiniert bereichsübergreifende Projekte und führt ein kleines Team. Claudia ist fachlich etabliert und dennoch stellen sich neue Fragen: Wie geht es weiter? Mehr Führung? Mehr betriebswirtschaftliche Verantwortung? Eine Spezialisierung? 

Gleichzeitig gibt es viele Assistenzfachkräfte, die noch keinen Fachausweis haben, aber spüren, dass ihre Rolle komplexer wird. Sie übernehmen Projekte, koordinieren Schnittstellen, tragen Verantwortung für sensible Prozesse. Auch sie stehen an einem Punkt der Standortbestimmung: Ist jetzt der richtige Moment für den Fachausweis? Oder führt ein anderer Weg näher ans Ziel?

Wann Weiterbildung Sinn macht Der Wunsch nach Weiterentwicklung entsteht selten zufällig. Oft verändern sich die Rahmenbedingungen, eine Reorganisation erweitert den Verantwortungsbereich oder neue Führungskräfte setzen andere Prioritäten. Routinetätigkeiten werden automatisiert während Koordination, Priorisierung und Qualitätssicherung anspruchsvoller werden. 

Manchmal ist es auch ein innerer Impuls. Die eigene Rolle fühlt sich zu eng an oder die Verantwortung wächst, Titel und Lohn bleiben jedoch gleich. Die strategische Frage rückt in den Vordergrund: Wo will ich in fünf Jahren stehen?

Weiterbildung wirkt nachhaltig, wenn sie auf einem klaren Ziel basiert. Ohne Richtung entsteht ein Sammelsurium an Kursen; mit Richtung entsteht ein stimmiges Profil. 

Neue Anforderungen im Assistenzalltag 


Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind im Assistenzalltag direkt spürbar. Digitale Tools und KI-Anwendungen unterstützen bei Protokollen, Recherchen oder Terminplanung, doch die Verantwortung für Qualität, Plausibilität und Datenschutz bleibt bei der Assistenz. 

Zudem verlangen interdisziplinäre Projekte methodische Sicherheit und virtuelle Sitzungen erfordern rechtssichere Dokumentation. Ausserdem gehören Budgetkontrollen und Kostenübersichten zunehmend zum Aufgabenbereich. 

Hier bieten sich unterschiedliche Entwicklungsschritte an. Wer noch keinen Fachausweis besitzt, stärkt mit diesem Abschluss die betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen. Wer bereits qualifiziert ist, kann gezielt ergänzen, etwa mit Zertifikaten in modernen Projektmanagement-Methoden oder Weiterbildungen zu KI-Anwendungen im Office-Bereich. Auch IT-Zertifikate rund um «Microsoft 365» oder Datenanalyse erhöhen die digitale Souveränität im Alltag. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Di­­plome, sondern deren strategische und operative Passung. 

Orientierung im Weiterbildungsdschungel 


Das Schweizer Bildungssystem bietet vielfältige Möglichkeiten: Fachausweise, höhere Fachschulen (HF), höhere Fachprüfungen (HFP), CAS-/DAS-Programme an Hochschulen oder spezialisierte Zertifikate. Sich einen Überblick über passende Optionen und Wege zu schaffen, ist oft herausfordernd. Zudem können die Weiterbildungskosten eine Hürde darstellen. 

Für Weiterbildungen gibt es diverse Finanzierungswege – von Stipendien und Bundesbeiträgen bis zu betrieblichen Vereinbarungen oder privaten Darlehen. Im Anstellungsverhältnis empfiehlt sich eine schriftliche Regelung zu Kostenbeteiligung, Zeitaufwand und Verbleib. 

Für viele Assistenzfachkräfte ist die Absolvierung des Fachausweises der erste grössere Weiterbildungsschritt. Er schafft formale Anerkennung und stärkt die Position auf dem Arbeitsmarkt. Wer den Fachausweis bereits abgeschlossen hat, steht häufig vor der Frage: «Breit bleiben oder spezialisieren?». Eine Entwicklung in die Breite kann beispielsweise über eine HF/FH oder HFP erfolgen und die betriebswirtschaftliche Gesamtsicht erweitern. Eine Vertiefung ist über einen weiteren Fachausweis, eine Spezialisierung oder ein CAS möglich. 

Genau hier entfaltet eine Laufbahnberatung ihren Wert. Sie klärt Stärken, Leidenschaften und Ziele, gleicht diese mit realistischen Bildungswegen und dem Arbeitsmarkt ab und entwickelt einen konkreten, umsetzbaren Plan. Zudem kann im Rahmen der Beratung eine Strategie erarbeitet werden, wie man den Arbeitgeber für eine Teilfinanzierung überzeugen kann. 

Wichtig zu wissen: CAS-Programme setzen in der Regel eine höhere Berufsbildung oder einen Studienabschluss voraus. Ohne entsprechende Vorbildung waber mit entsprechend langer fachrelevanter Berufserfahrung kann die Aufnahme in ein CAS sur dossier erfolgen. 

Klare Entscheidungen statt Schnellschüsse 


Kommen wir also zurück auf Claudia. Sie erkennt in der Laufbahnberatung, dass sie ihre Führungsrolle bewusst ausbauen möchte. Sie entscheidet sich für ein CAS Leadership, um ihre Kompetenzen in Mitarbeiterführung und Change-Prozessen systematisch zu vertiefen. Ergänzend absolviert sie ein Zertifikat zu KI-Anwendungen im Office-Bereich, um digitale Tools strategisch in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. 

Assistenzfachkräfte übernehmen in Unternehmen eine Schlüsselrolle – operativ wie strategisch. Wer diese Rolle aktiv gestaltet, stärkt die eigene Arbeitsmarktfähigkeit und eröffnet neue Perspektiven. Weiterbildung ist dann richtig und sinnvoll, wenn sie bewusst gewählt wird. 

Der nächste Karriereschritt entsteht nicht zufällig. Er beginnt mit Klarheit.

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Barbara Keller ist dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin und hat einen MSc Arbeits-/Organisations­psychologie & Betriebswirtschaftslehre.

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Andrea Schoch ist dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin sowie Führungsfachfrau mit eidg. Fachausweis.

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Simon Sigrist ist dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberater und hat einen MSc Arbeits-/Organisationspsychologie.

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