Meine Erfahrung

«Meine Marke bin letztlich ich selbst»

Nach 13 Jahren beim gleichen Arbeitgeber will Evelyne Moser den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – in den USA. Im Gespräch mit Miss Moneypenny erzählt sie, weshalb es sie nach Minnesota zieht und wie sie sich dort positionieren möchte, um mit ihrem Geschäftsmodell Fuss zu fassen.

«2013 kam ich über eine ehemalige Arbeitskollegin zum amerikanischen Technologieunternehmen 3M. Das Unternehmen suchte Unterstützung bei der Eröffnung eines neuen Standortes in Burgdorf, und so wurde ich eingestellt. Als Assistentin war ich vor allem für die Betreuung der Expats zuständig. Diese Aufgabe lag mir: Ich habe ein gutes Gespür für Kulturen und liebe den Umgang im internationalen Umfeld. 2014 absolvierte ich die Weiterbildung zur Direktionsassistentin und schloss sie als Klassenbeste ab. 2017 wurde ich bei 3M Direktionsassistentin und hatte während meiner gesamten Zeit in dieser Position fünf Vorgesetzte aus fünf verschiedenen Ländern.

Bei 3M schätzte ich besonders, dass auch Assistenzen Schulungen und Weiterbildungen erhalten. Das wird ermöglicht durch das ‹Global Assistant Partnership Forum›, ein Netzwerk aller bei 3M tätigen Assistenzen. Anfangs war ich ‹nur› Mitglied, wurde dort jedoch bald Projektleiterin. Parallel dazu entwickelte ich mich beruflich weiter und leitete ab 2017 das Assistenzteam am Standort Langenthal. Im Zuge dessen übernahm ich schliesslich den Vorsitz des Global Assistant Partnership Forum. Eine Aufgabe, die ich von der Schweiz aus mit einer Assistentin in den USA gemeinsam ausübte.

Ein einschneidender Wandel in meiner Arbeitsweise war der Umzug meines Chefs in die USA 2023. Er behielt mich als Assistentin, was, soweit ich weiss, ein Novum war und seither nicht mehr vorkam. Von Langenthal aus unterstützte ich ihn in Angelegenheiten des EMEA-Raums und Amerikas. Die Zeitverschiebung war nicht immer einfach zu handhaben, dennoch war der Standortwechsel meines Chefs auch für mich eine grosse Chance: Ich durfte regelmässig an den Hauptsitz in St. Paul reisen und konnte mir vor Ort alles ansehen, um ihn bestmöglich zu unterstützen. Diese Aufenthalte liebte ich und ich nutzte sie, um mein Profil auf das internationale Umfeld auszurichten und mich als internationale Assistenz zu positionieren.

Im weiteren Verlauf kam noch eine weitere Kompetenz hinzu: die Eventorganisation in St. Paul. Ich organisierte Workshops in den USA, und meine Erfahrungen flossen in die Wissensdatenbank des Forums zurück. So konnten auch andere Assistenzen von meinen Erkenntnissen profitieren.

Für meinen globalen Einsatz wurde ich im Rahmen des Global Assistant Partnership Forum mit zwei Awards ausgezeichnet: 2021 mit dem ‹High Achievement Summit Award› und 2022 mit dem ‹Leadership Summit Award›, der höchsten Auszeichnung.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, in der Schweiz alles erreicht zu haben: Ich konnte international arbeiten und betreute viele spannende Projekte. Was mir noch fehlte, war eine Zeit im Ausland zu leben – und das gehe ich nun an. Ein Wechsel in die US-Zweigstelle wäre zwar wünschenswert gewesen, ist jedoch schwer umsetzbar: Für die Verantwortlichen in St. Paul ist es einfacher, Assistenzen einzustellen, die bereits vor Ort leben. Zudem wären hohe Kosten für Visum und Ähnliches entstanden. Das verstand ich und entschied mich, meine Karriere in den USA eigenverantwortlich und selbstständig aufzubauen. 

Im Dezember 2024 besprach ich meine Pläne mit meinen Arbeitgebern, im Januar 2025 engagierte ich einen auf Immigration spezialisierten Anwalt in Florida, der mich in Fragen rund um Visum und Firmengründung unterstützt. Meine Firma Smart Business Partners LLC gründete ich bereits im Juni 2025 – noch während meiner Anstellung bei 3M. Das war ein bewusster pragmatischer Schritt: So hatte ich eine solide Grundlage, bevor ich den letzten Schritt wagte und 3M verliess. Mein letzter Arbeitstag war im Februar 2026.

Smart Business Partners LLC hat ihren Sitz in Minnesota und richtet sich an Unternehmen, die professionelle Unterstützung an der Schnittstelle von Administration, Training und internationalem Markteintritt suchen. Konkret bedeutet das: Ich unterstütze US-Firmen administrativ, biete Trainings für Assistenzteams an und helfe internationalen Unternehmen dabei, in den USA Fuss zu fassen – von der ersten Orientierung bis zur Erschliessung neuer Kundensegmente. ‹Wieso Minnesota?› ist eine häufige Frage; Kalifornien wäre eine Alternative, doch dort sind die Gründungskosten hoch und der Markt hart umkämpft. Demgegenüber habe ich durch meine vielfältigen Tätigkeiten in St. Paul ein aussergewöhnlich grosses Netzwerk in Minnesota, sowie natürlich auch Freundinnen und Freunde. Wirtschaftlich wie persönlich ist Minnesota für mich ‹The Place to be›.

Einen ersten Auftraggeber habe ich bereits: meinen aktuellen Arbeitgeber Cumulus AG, in dem ich seit März 2026 das Mandat als ‹Head of Networking› ausübe. Das Unternehmen verwaltet für Firmen und Grosskunden die gesamte Administration von Zeitungsabonnements und möchte ihr Geschäftsmodell in anderen Ländern etablieren. Ich bin in den USA dafür verantwortlich, neue Märkte zu erschliessen. Vor allem im Finanzsektor und bei Versicherungen ist nach wie vor gefragt, Printmagazine und Zeitungen aufliegen zu haben, aber beispielsweise auch in Krankenhäusern. Das Modell funktioniert somit auch in anderen Ländern.

Wie lange ich bleiben werde, wird sich zeigen: Ich stellte einen Antrag auf ein Unternehmervisum, das mir im Juli 2026 genehmigt wurde und vier Jahre gültig ist – genug Zeit, um herauszufinden, ob es mir gefällt. Meine Erfolgsstrategie stützt sich auf drei Punkte: Als Schweizerin stehe ich für qualitativ hochwertige Arbeit, die US-Firmen hoffentlich zu schätzen wissen. Mein Werdegang hat mir zudem ein feines Gespür für kulturelle Eigenheiten verschiedener Länder gegeben. Und ich habe ein Netzwerk, das für mich die Werbetrommel rühren will: Persönlichkeiten wie Lucy Brazier oder Peggy Vasquez empfehlen mich in ihren Netzwerken, und wir werden gemeinsam an Projekten zusammenarbeiten. Meine Marke sind letztlich ich selbst und meine Expertise. So nahm ich kürzlich an einer Panel-Diskussion zur neuen Global Skills Matrix teil.

Dank meines Netzwerks erhoffe ich mir einen erleichterten Markteintritt, auch wenn ich mit anfänglichen Schwierigkeiten rechne, da ich keine gebürtige US-Amerikanerin und neu im Markt bin. Die Zusammenarbeit mit bekannten Namen stimmt mich jedoch zuversichtlich, diese Hürde rasch zu überwinden. Die grösste unmittelbare Herausforderung bleibt das Visum, dessen Bescheid ich in einigen Wochen erwarte. Doch letztlich treibt mich etwas an, das sich kaum in einer Bewerbung festhalten lässt: die Überzeugung, dass die grössten beruflichen Abenteuer noch vor mir liegen – und der Wille, sie aktiv zu gestalten.»

Evelyne Moser 


Geboren im Emmental, absolvierte Evelyne Moser von 2004 bis 2007 ihre kaufmännische Lehre in Burgdorf bei Disetronic, ein Unternehmen, das 2003 von Roche übernommen wird. Nach der Lehre verblieb sie als Assistentin bis zur Auflösung des Standorts 2012 im Unternehmen. Anschliessend an eine Auszeit mit Sprachaufenthalt in Kalifornien startete Moser 2013 beim Technologiekonzern 3M als Teamassistentin. Eine Position, die ihr den Freiraum liess, ihre eigene Zukunft zu gestalten.
 

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Online-Redaktorin, Miss Moneypenny. 
luisa.schmidt@missmoneypenny.ch

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