Von der Küche ins Office Management
«Ich entschied mich für den Job als Executive Assistant, damit ich meine Finger überall im Spiel haben und mein Talent überall einsetzen kann», sagt Kilian Bürgi, der davor über acht Jahre als Koch an verschiedenen Stationen in der Schweiz tätig war. Wie ihm der Quereinstieg in den Assistenzberuf gelang, erzählt er im Gespräch mit Miss Moneypenny.
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«Ich komme ursprünglich aus Oftringen im Aargau und zog mit 15 Jahren nach Basel, um mich zum Koch ausbilden zu lassen. Nach drei Jahren dort absolvierte ich meine Zeit bei der Armee und zog im Anschluss nach Bern um. Ich arbeitete insgesamt fast neun Jahre als Koch, bis die Pandemie startete. Während dieser Zeit konnte ich länger nicht arbeiten, und als ich dann wieder in der Küche stand, stellte ich fest, dass es mich nicht mehr erfüllte. Es war eher ein ‹Müssen› als ein ‹Dürfen›.
Deshalb absolvierte ich 2021 bis 2024 die Hotelfachschule SHL und zog dafür nach Luzern. Damals hatte ich noch keine direkte Berufsrichtung im Blick, sondern mich sprach das grosse Ganze an. Für mich war es spannend, dass ich mit dieser Ausbildung in neue Rollen schlüpfen und dennoch der Hotellerie treu bleiben konnte, die ich schon mein ganzes Berufsleben lang kannte.
Im Rahmen der Ausbildung musste ich drei Praktika absolvieren. Ich war ein halbes Jahr im Service, ein halbes Jahr im Front Office (an der Rezeption, Anm. d. Red.), und per Zufall sah ich dann ein Stelleninserat als Management-Trainee in der Administration. Das Gute war, dass das Head Office meines aktuellen Arbeitgebers, die Grand Metropolitan Hotels, in der Nähe meines Wohnorts lag und ich so Luzern nicht verlassen musste. Da ich zuvor noch nie in einem Büro gearbeitet hatte, wusste ich nicht, was mich erwarten würde.
Am Anfang war es recht turbulent, weil dieses Hotelunternehmen noch recht jung ist und erst 2022 gegründet wurde. Da es meine Rolle so vorher noch nicht gab, konnte ich das ganze Office-Management von Grund auf selbst aufbauen. Einem ‹Learning by Doing›-Typen wie mir bereitete das sehr viel Spass. In meinem letzten Semester an der SHL fragten mich die Verantwortlichen der Grand Metropolitan Hotels, ob ich wieder zurückkommen möchte, und boten mir den Job als Executive Assistant an. Ich sagte sofort zu.
Ich verantworte hier aktuell nicht nur das Office-Management, sondern koordiniere beispielsweise die Meetings mit Hotelbesitzerinnen und -besitzern, die an einer Integration in die Hotelkette interessiert sind, oder organisiere die Caterings. Hier kommt mir mein operatives Wissen aus meinem ersten Bildungsweg zugute. Mein Organisationstalent liess sich zudem sehr gut aus der Küche in den Assistenzberuf transferieren. In der Küche muss man schliesslich auch drei Sachen gleichzeitig im Blick haben.
Da ich hier am Standort in der Schweiz der einzige Executive Assistant bin, habe ich überall meine Finger im Spiel. So unterstütze ich auch das HR und die Finanzabteilung. Man kann sagen, ich bin das ‹Mädchen für alles›.
Aus der Küche habe ich folgende Einstellung in den Assistenzjob mitgenommen: Als Koch bereitete ich jedes Gericht so zu, als wäre es mein Lieblingsessen. Nun erledige ich jede Aufgabe so, als wäre sie meine Lieblingsaufgabe. Es ist erheblich einfacher, mit einer positiven Sichtweise an die verschiedenen Aufgaben heranzugehen, als wenn man sich sagt: ‹Das mache ich eigentlich nicht so gern›.
Anders als zuvor ist der Zeitdruck. In der Küche muss man Bestellungen sofort erledigen, denn der Gast möchte nicht eine halbe Stunde auf das Essen warten. Im Büro ist das anders, da fällt es oft nicht ins Gewicht, wenn ich erst eine halbe Stunde später auf ein E-Mail antworte. Zusätzlich ist es körperlich nicht mehr so fordernd, weshalb ich jetzt in meiner Freizeit mehr Energie habe. Was mir hingegen manchmal ein bisschen fehlt, ist der Gästekontakt. Obwohl es hie und da auch mühsame Kundinnen und Kunden gab, habe ich die Interaktion mit den Menschen immer genossen.
Ich bin stolz, dass ich mit meinem Betrieb mitwachsen kann, und ich würde den Schritt aus der Küche in die Assistenz wieder tun. Zudem schätze ich es inzwischen, in Luzern zu leben, und möchte da auch erstmal bleiben, da ich gerade erst mit meiner Freundin zusammengezogen bin und wir uns hier ein gemeinsames Leben aufbauen.
Personen, die den Quereinstieg in die Assistenz wagen, sage ich, dass es sich immer lohnt, den Schritt aus der Komfortzone zu machen. Wenn man mit Offenheit auf neue Herausforderungen zugeht, kommt man meiner Erfahrung nach eigentlich immer ans Ziel.»
Kilian Bürgi
Kilian Bürgi ist 1997 geboren und begann 2013 eine Ausbildung zum Koch EFZ im Grand Hotel Les Trois Rois in Basel. Nach einem halben Jahr als Truppenkoch (2016 bis 2017) in der Schweizer Armee startete er 2017 als Commis de Cuisine im Hotel Schweizerhof in Bern und wechselte 2018 als Chef de Partie ins Hotel Stadthaus Burgdorf. 2021 begann er sein dreijähriges Studium an der SHL, was ihn 2023 zu den Grand Metropolitan Hotels in Luzern führte, wo er heute als Executive Assistant tätig ist.