Interview

«Negative Emotionen schwächen die Leistung»

In schwierigen Situationen sind es oft unsere Emotionen, die einen positiven Ausgang begünstigen oder verhindern. Trainerin und Coach Christina Weigl ist überzeugt, dass Resilienz der Schlüssel im Umgang mit Stress und negativen Einflüssen ist. Im aktuellen Kartenset von Miss Moneypenny hat sie Tipps zur Stärkung der Resilienz und der persönlichen Leadership zusammengestellt.

Christina Weigl, wie resilient sind Sie?

Ich nehme mich als sehr resilient wahr. Ich bin selbstständig erwerbend und habe im letzten Jahr gemerkt, dass mein Üben der letzten Jahre gefruchtet hat. Zu Beginn von Corona waren meine Auftragsbücher voll, aber binnen drei Tagen war ich arbeitslos. Das forderte die Resilienz heraus. Es ist mir gut gelungen, nicht in Panik auszubrechen und klar bei mir zu bleiben. Ich habe mir überlegt, wie ich meine Kunden unterstützen und wo ich einen Nutzen stiften kann.

Wie sind Sie zu Ihrer Resilienz gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der Tourismusbranche und trainierte in meinen Anfangszeiten als Coach Service Excellence. Service Excellence erfordert eine hohe, soziale Intelligenz, doch wenn der Stress über lange Zeit sehr hoch ist, kann die Extrameile bei der Arbeit nicht gegangen werden. Es ist eine Schlüsselkompetenz, bei einem schwierigen Kunden resilient zu reagieren, seine Emotionen zu steuern und mit einer unverbesserlich optimistischen Art aufzutreten. Bei den Trainings stellte ich irgendwann fest, dass es nichts bringt, alles Mögliche zu trainieren, wenn bei den weichen Faktoren nicht genauer hingeschaut wird. Gerade bei der ­Service Excellence sind Empathie und Herzlichkeit entscheidende Komponenten. Die Resilienz war für mich der Schlüssel und ich bin dann bei der HeartMath®-Methode ­gelandet. Nur, sobald man mit dem Herzen trainieren möchte, dann heisst es, das sei «Gschpürsch mi, fühlsch mi»-Eso. Diesen Vorurteilen zum Trotz: Die HeartMath®-Methode fasziniert mich, weil sie einfach, klar, belegbar, wissenschaftlich erforscht, messbar und sichtbar ist.

Ist Resilienz eine individuelle, persönliche Angelegenheit?

Laut Forschung trägt jeder Mensch die Re­silienz in sich. Doch wie bei vielen Eigenschaften, die erstmal gegeben sind, ist sie bei manchen mehr und bei anderen weniger ausgeprägt vorhanden. Man kann die Resilienz stärken und ein grösseres Bewusstsein dafür bekommen. Übrigens, die Resilienzforschung geht auf die 1950er-Jahre zurück. Der Durchbruch des Resilienzbegriffs wird einer Studie aus den 1970er-Jahren zugeschrieben. In dieser Studie wurden hawaiianische Kinder aus schwierigen Verhältnissen von ihrer Geburt an über 40 Jahre beobachtet und getestet. Ein Drittel dieser Kinder wuchs trotz erschwerter Bedingungen zu lebenstüchtigen Erwachsenen heran, wobei sich die Resilienz unter verschiedenen Umweltbedingungen veränderte. Die Schlussfolgerung daraus war, dass Resilienz erlernbar ist.

Wo liegen die Gründe für mangelnde Resilienz?

Ein Arzt dürfte anders antworten als ich. Doch ich glaube, dass man die Auswirkung und Bedeutung von emotionalen Themen unterschätzt. Es wird unterschätzt, dass für Menschen Werte und Bedürfnisse für die Zufriedenheit massgeblich sind. Wird das missachtet, kommen sie in einen Teufelskreis. Resilient zu sein bedeutet, Emotionen zu steuern und seine Impulse zu kontrollieren. Wenn man da die Fähigkeiten nicht bewusst übt und trainiert, dann hat man nicht das nötige Rüstzeug im Rucksack, wenn es wie im vergangenen Jahr schwierig wird und viel Angst und Unsicherheit herrscht.

Sie sprechen die Pandemie an. In Diskussionen um und über Covid ist es schwierig, eine objektive Diskussion zu führen. Wie lässt sich in solchen Momenten kühlen Kopf bewahren?

Es ist wichtig, einen Schritt zurück zu machen, um die Emotionen zu steuern. Wenn ich hochwütend bin, dann braucht es mindes­tens 20 Minuten, bis die Stresshormone abgebaut sind. Solange ich nicht in diesem schwierigen Karussell drin bin, muss ich mir bewusst sein, dass es unterschiedliche ­Ängs­te gibt. Manche haben Angst vor Freiheitsentzug, andere haben Existenzängste und wiederum andere fürchten sich vor der Krankheit. Das sind unterschiedliche Ausgangslagen und es braucht eine bewusste Wahrnehmung, dass keine dieser Ängste als «wichtiger» bewertet wird als die andere. Fehlt der realistische Optimismus, kann ich mich jeden Tag über Dinge aufregen, auf die ich keinen Einfluss habe, statt mich selbst zu fragen, wo ich selbstwirksam sein kann. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit ­unseren Emotionen andere anstecken. Es erfordert eine hohe empathische Kompetenz, damit in diesen schwierigen Zeiten keine Fronten und Verurteilungen aufgebaut werden.

Braucht es dafür nicht eher eine kollektive Resilienz?

Durchaus und ich erlebe immer mehr, dass Teams Resilienz-Workshops buchen. In Abteilungen mit bewussteren Führungskräften wird stark auf die Soft Skills Wert gelegt. Diese Führungskräfte legen den Fokus auf die emotionalen Kompetenzen, weil sie wissen, wie sehr negative Emotionen die Leistung schwächen können. Ich bin überzeugt, die weichen Faktoren werden in Zukunft die Hardfacts sein. Warum? Weil wir uns, je technischer alles wird, umso mehr auf die weichen Faktoren konzentrieren müssen. Das andere nimmt uns die Technik ab.

In Abteilungen mit bewussteren Führungskräften wird stark auf die Soft Skills Wert gelegt.

Sie geben auch Seminare zum Thema persönliche Leadership. Was verstehen Sie unter «persönliche Leadership»?

Führung oder eben Leadership beginnt bei uns selbst. Die persönliche Leadership geht eine Ebene tiefer und ermöglicht es, eine innere Klarheit zu gewinnen und das Selbst­vertrauen zu stärken. Es geht um eine persönliche Zielorientierung und darum, welche Werte und Talente im Leben wichtig sind, wo wir ein Vorbild sein möchten und wo wir den Unterschied machen wollen. Und es geht um unsere Visionen und Träume. Bei den Führungskräften der Generation Y und Z sind diese sinnstiftenden Themen relevanter, als wir uns vorstellen können.

Können Assistentinnen auch Leaderinnen sein?

Ich erkenne immer wieder, dass Assistentinnen Leaderinnen sind, obwohl sie sich selbst nicht diesen Titel geben würden. Sie bewegen sich in einem Leader-Umfeld, sind starke, mutige Persönlichkeiten, müssen in ihrer Kommunikation sehr klar sein und sie sind ehrlich und authentisch. Assistentinnen, die Leaderinnen sind, wirken charismatisch und mutig auf ihr Umfeld.

Für Miss Moneypenny haben Sie ein Kartenset mit Tipps zur Stärkung der Resilienz und persönlichen Leadership zusammengestellt. Wie ist das Set zu verwenden?

Man kann sich das Set vor den PC legen und sich über den Tag hinweg immer wieder mal eine Karte nehmen. Eine andere Möglichkeit ist, sich eine Woche lang mit einer bestimmten Resilienz-Karte beziehungsweise einem Thema zu beschäftigen und die Übungen zu wiederholen. Oder eine Themenkarte kann mit Kollegen diskutiert werden.

Wie können Assistentinnen und Assistenten Botschafter für Resilienz und Leadership sein?

Assistenzen sind die Bindeglieder zwischen den Abteilungen. Je klarer, empathischer und sozialkompetenter sie in ihrer Leadership sind, desto mehr erkennen sie auch die Themen bei ihrem Gegenüber. Indem sie selbst ein gutes Vorbild sind und mit offenen Ohren durch die Büros gehen, können sie auch andere motivieren, etwas zu verändern. In einem ersten Schritt sollten sie wachsam dafür sein, wie es den anderen geht und in einem zweiten Schritt vielleicht das Gespräch suchen.

Stichwort Berufung: Was heisst es für Sie, die Berufung gefunden zu haben?

Ich darf zum Glück sagen, dass ich wirklich in meiner Berufung unterwegs bin. Im Wort Berufung steckt das Wort Beruf. Wir koppeln unseren Beruf sehr oft an Leistungen. Doch das Allerwichtigste bei der Berufung ist, dass sie mit unseren Talenten verbunden ist, Sinn macht, wir unsere Werte leben können und auch dafür gesehen werden. Aus Sicherheit oder Gewohnheit sind viele Menschen in Wirkungsfeldern unterwegs, wo das nicht gesehen wird. Das ist schade, weil uns Leistung allein leer zurücklässt und uns auf lange Zeit die Begeisterung nimmt. Wenn ein Mensch seine Verbindung, Begeisterung und Leidenschaft wiederentdeckt und in einer Firma in einem Bereich unterwegs sein kann, wo er das einbringen kann, dann blüht dieser Mensch wieder auf und es können Höchstleistungen erbracht werden. Wenn Menschen entgegen ihren Werten und Bedürfnissen arbeiten, brennen sie aus. Burnouts kommen nicht vom Job allein, sie kommen, wenn es über lange Zeit Sinnlücken gibt und Rollen ausgeführt werden müssen, die nicht die eigenen sind. Dann macht das Leben eine Notbremse. Es lohnt sich, die persönliche Berufung zu erforschen und das eigene Warum im Leben zu klären. Gelingt das, können Zufriedenheit und Glück bewusst wahrgenommen werden.

Kartenset für die Resilienz

Handliches Format, kurzweilige Inputs und frisches Design: Seit Kurzem gibt es das Miss ­Moneypenny-Kartenset als Hilfstool. Das zweite Kartenset ist eine Unterstützung bei der ­Stärkung der ­Resilienz und wurde in Zusammenarbeit mit Trainerin und Coach Christina ­Weigl erstellt. Resilienz ist die Fähigkeit, sich auf Stress, Herausforderungen oder Widrigkeiten vorzubereiten, darauf ­angemessen zu reagieren und sich wieder zu erholen. Es ist die ­innere Stärke, um Misserfolge, Rückschläge, Krisen, Verluste oder Schicksalsschläge zu ­meistern. Das Kartenset mit den 25 Karten schenkt Übungen, um die Stärkung der Resilienz mit der HeartMath®-Methode zu erlernen und die persönliche Leadership zu stärken.

missmoneypenny.ch/dossiers

Zur Person

ist eidg. FA Ausbilderin, NLP-Lehr­trainerin, eidg. Supervisorin/Business Coach und zertifizierte HeartMath®-Resilienz-Trainerin. christina-weigl.ch

 

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Chefredaktorin Miss Moneypenny

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