Porträt

Loyalität als Entscheidung

Es gibt nicht viele, die einem Unternehmen über fast drei Jahrzehnte hinweg treu bleiben. Cornelia Althaus, Leiterin Fachbereich Managementsupport sowie Geschäftsleitungs-Assistenz bei der Securitas AG in Zollikofen, gehört zu ihnen. Ein Gespräch über Vereinbarkeit, Aus- und Weiterbildung und die Frage, was es braucht, um sich langfristig an ein Unternehmen zu binden.

«Tag der Arbeit»: Die Zürcher haben frei, die Berner nicht. So ist das Fotoshooting bereits in vollem Gange, als die Chefredaktorin verkehrsbedingt etwas verspätet am Hauptsitz der Securitas AG in Zollikofen eintrifft. Cornelia Althaus, Leiterin Fachbereich Managementsupport sowie Geschäftsleitungs-Assistenz, posiert gerade in der Nähe eines kleinformatigen Originals des «Schutzengels der Reisenden» von Niki de Saint Phalle, dessen grosse Variante im Zürcher Hauptbahnhof hängt. «Die Securitas hat ihn gesponsert, wussten Sie das?» Nein, wussten wir nicht.

Schon beim Shooting zeigt die 53-Jährige eine bemerkenswerte Souveränität, im Gespräch bestätigt sich dieser Eindruck. Cornelia Althaus wirkt energiegeladen und anpackend – eine Frau, die ihrem Arbeitsort seit fast drei Jahrzehnten treu geblieben ist und sich gleichzeitig stetig weiterentwickelt hat. «Eigentlich bin ich ein bisschen ein Bünzli, gemünzt auf die Lebensweise: gleiche Arbeitgeberin, Haus, Familie und Kinder», sagt sie über sich selbst.

Doch je länger das Gespräch dauert, desto stärker relativiert sich diese Selbsteinschätzung. Das Bild des Bünzli passt nur bedingt zu einer Frau, die immer wieder Neues ausprobiert, sich bewegt und bewusst andere Wege einschlägt. Ein Bünzli ist sie also eher nicht. Auch wenn es bemerkenswert bleibt, einem Unternehmen über so viele Jahre hinweg verbunden zu sein.

Der Weg in die Sicherheitsbranche 


Stillstand kam und kommt für Cornelia Althaus nicht infrage. Früh stellt sie sich immer wieder neuen beruflichen Herausforderungen, etwa als junge Frau in der männlich geprägten Transportbranche nach einem angenehmen Einstieg in den kaufmännischen Beruf auf der Gemeindeverwaltung. Oder als Deutschschweizerin in der Westschweiz, wo sie in Lausanne ebenfalls in einem Industriebetrieb tätig ist. «Eine prägende Erfahrung. Sprachlich fühlte ich mich eigentlich gut vorbereitet. Die Realität sah anders aus. Vor Ort wurde ausschliesslich Französisch gesprochen, kein Wort Deutsch.» Drei Monate lang kommt sie abends nach Hause und ist völlig erschöpft. Eine andere Sprache, eine andere Kultur, eine andere Direktheit. Rückblickend eine intensive, aber wichtige Zeit, die ihr mehr Selbstbewusstsein und Stärke gab.

Die Rückkehr in die Deutschschweiz hatte einen klaren Grund: die Liebe. Inzwischen sind die beiden seit 25 Jahren verheiratet. Zurück aus der Westschweiz folgt zunächst ein Abstecher zu «Hero» in Lenzburg, wo sie im Marketing arbeitet. Eine Erfahrung, die ihr zeigt: Das ist nicht meins. Weniger wegen der Arbeit an sich, sondern wegen des Umfelds. «Ausschliesslich Frauen, zu oberflächlich.» Sie fühlt sich nicht zugehörig und merkt, dass sie sich in einem männlich geprägten Umfeld wohler fühlt. 

Als im Zuge einer Umstrukturierung das deutsche Unternehmen «Schwartau» «Hero» übernimmt, plant sie den nächsten Schritt: eine zweimonatige Weiterbildung in Paris. Während ihres Aufenthalts in Paris erhält sie von ihrem damaligen Freund, ihrem heutigen Mann, eine Stellenausschreibung der Securitas, die 1997 «eine versierte Sekretärin mit Pfiff» suchte. Cornelia sagt mit einem Lachen: «Heute würden wir das definitiv nicht mehr so ausschreiben, aber es löste in mir einen WOW-Effekt aus». Sie bewirbt sich und bekommt die Stelle. Ein neuer Abschnitt beginnt.

Meine Wahl

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Foto: Aniela Lea Schafroth

Uniform oder Business-Look?
Im Alltag gilt bei mir Business Casual. Zwei Securitas-Looks hängen aber dennoch im Schrank und kommen ein- bis zweimal pro Jahr zum Einsatz: etwa für uniformierte Einsätze an der Front, die Arbeitshose und das Polo an der «ArtBasel» oder die Galauniform für die Eintrittskontrolle im VIP-Bereich eines YB-Spiels.

Zeitung oder Podcast?
Podcasts. Gerne höre ich euren Podcast «Geschüttelt, nicht gerührt» sowie verschiedene Gesundheits­formate. Etwa «Meine Gesundheit», dort finde ich kurze Inputs, die im Alltag wertvoll sind.

Sport oder Kultur?
Eher Sport, vor allem als Zuschauerin. Wir schauen viel Eishockey, ich bin Fan des HC Davos. Zwar kommen wir nicht aus dem Bündnerland, sind aber oft dort unterwegs, so hat sich diese Verbindung ergeben. Neben dem Zuschauen bin ich auch selbst aktiv: Skifahren, Biken und Wandern gehören fest dazu.

KI oder keine KI?
KI. Wir nutzen «Microsoft Copilot» in der sicheren Variante. Besonders spannend ist für mich, dass er direkt in unsere Plattform integriert ist, auf unsere Dokumente, Chats und E-Mails zugreifen kann sowie Quellen rasch findet.

Wachsen bei Securitas 


Der Einstieg erfolgt in der Ausbildungsadministration; von dort entwickelt sie sich kontinuierlich weiter. In einem ersten Schritt übernimmt sie zusätzliche Aufgaben im HR und wird ab 2000 Assistentin des Vorsitzenden der Geschäftsleitung sowie später Leiterin des Sekretariats für die Geschäftsleitung, das ab 2000 kontinuierlich aufgebaut wird, um die Organisation zu strukturieren und Synergien zu nutzen. Cornelia Althaus begleitet diesen Prozess gemeinsam mit ihrem damaligen Chef eng.

Mit der neuen Rolle wachsen auch ihre Aufgaben. Aus dem Backoffice und der Ausbildungsadministration wird eine Funktion, die direkt in die Führungsarbeit eingebunden ist. Sie erstellt Traktandenlisten, nimmt an Sitzungen teil, protokolliert diese und verantwortet die Nachbereitung. Über die Jahre professionalisiert sich diese Arbeit deutlich, Prozesse werden klarer, Instrumente moderner. Heute arbeitet das Gremium mit digitalen Aufgabenmanagement-Systemen und strukturierter Geschäftskontrolle. Und auch hier zeigt sich: Wer so konsequent mitgeht, gestaltet und sich weiterentwickelt ist vieles, aber sicher nicht ein Bünzli.

Arbeitet Cornelia Althaus zu Beginn 100 Prozent, ändert sich das 2004 mit der Geburt ihres ersten Kindes. «Ich reduzierte mein Pensum auf 30 Prozent, weil für mich extrem wichtig war, vor Ort zu sein und diese Zeit bewusst zu erleben.» Ihr damaliger Chef ist damals schon sehr visionär und ermöglicht ihr, im Homeoffice zu arbeiten. So kann sie auch mit 30 Prozent ihre Aufgabe als Geschäftsleitungs-Assistentin weiterführen und die GL-Geschäfte begleiten. Andere Aufgaben gibt sie in dieser Zeit ab, dafür wird zusätzlich eine Person eingestellt. 

In den ersten zehn Jahren nach der Geburt der Kinder arbeitet sie zwischen 30 und 40 Prozent, erhöht das Pensum danach schrittweise. Seit 2024 arbeitet sie wieder voll und seit 2025 ist sie nebst ihrer Arbeit als GL-Assistenz auch als Leiterin Fachbereich Managementsupport inklusive des Bereichs Personelles der Management Services tätig. Hier führt sie ein Team von vier Mitarbeitenden.  

Verschiedene Rollen 


«Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht», sagt Cornelia Althaus. «An einem Tag steht klar meine Rolle als GL-Assistenz im Vordergrund: Sitzungen werden vorbereitet, Traktanden zusammengestellt und Abläufe organisiert.» Zudem verantwortet sie die Aktualisierung von Führungsdokumenten wie Reglementen, Weisungen oder Arbeitsanweisungen. «In dieser Drehscheiben-Funktion laufen Themen aus allen Fachbereichen zusammen: administrativ, organisatorisch oder auch technisch.» An anderen Tagen liegt der Schwerpunkt stärker auf HR-Themen. 

Dass Althaus heute eine indirekte Rolle als HR-Verantwortliche innerhalb der Management Services innehat, geht auf eine strukturelle und organisatorische Veränderung zurück. Die Tätigkeit im HR-Bereich bereichert ihr Aufgabengebiet und sie lernt täglich dazu. «Ausschlaggebend waren meine langjährige Erfahrung im Unternehmen, mein Verständnis für Prozesse sowie das Wissen über interne Mechanismen und Vorgaben.» Gemeinsam mit zwei Mitarbeitenden verantwortet sie so seit 2025 das HR für rund 60 Mitarbeitende.

Der Austausch im Team ist eng. Es gibt ein wöchentliches Meeting, für personelle Themen gibt es zusätzlich ein separates Gefäss. Darüber hinaus steht sie mit vielen Mitarbeitenden fast täglich in Kontakt. «Dieser direkte Austausch ist mir wichtig, um ein Gefühl dafür zu haben, wie es den Leuten geht und ob im Alltag alles rund läuft.»

Mit ihren Vorgesetzten, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung und dem Leiter Management Services, pflegt sie ebenfalls einen regelmässigen Austausch. Dabei geht es um personelle Themen, Entwicklungen in der Organisation, Budgetfragen, den Stand laufender Projekte sowie die Vorbereitung von Sitzungen und Klausuren. Auch die Vorbereitung der nächsten GL-Sitzung ist Teil dieses Formats. Den Umgang beschreibt sie als sehr wertschätzend, vertrauensvoll und kameradschaftlich; die Türen der Vorgesetzten seien stets offen. 

Als Teil des Management Supports arbeitet sie zudem mit praktisch allen Fachbereichen zusammen und unterstützt diese in organisatorischen und administrativen Anliegen. Gemeinsam mit ihrem Team organisiert sie zudem Mitarbeiter- und Kundenanlässe und ist Projektleiterin der nationalen Kadertage der Securitas AG für rund 380 Kadermitarbeitende, die alle zwei Jahre während zwei Tagen stattfinden und jeweils viermal durchgeführt werden. «Immer in einer anderen Schweizer Region.» 

Treue zum Unternehmen 


Cornelia Althaus ist ihrer Arbeitgeberin über all die Jahre treu geblieben. Unter anderem auch deshalb, weil sie sich nach wie vor mit den Werten des Unternehmens identifizieren kann: Kontinuität, Flexibilität, Qualität und Integrität. Diese Werte prägen die tägliche Arbeit und auch persönlich sind sie ein wichtiger Grund dafür, dass sie sich am richtigen Ort fühlt. «Natürlich gab es Phasen, in denen die Motivation nicht zu hundert Prozent da war und ich über einen Wechsel nachdachte.» Gleichzeitig habe es aber immer wieder spannende Projekte gegeben, die neue Herausforderungen und Perspektiven boten und sie gehalten hätten.

Selbst nach 30 Jahren gibt es für sie somit immer noch Neues zu lernen und Bereiche zu entdecken, in denen sich etwas optimieren lässt. «Ich bin ein Optimierungs-Junkie», sagt sie mit einem Schmunzeln. Mit Blick in die Zukunft sieht sie sich weiterhin bei der Securitas. Was sie noch anpacken möchte? «Eine Spezialisierung im HR-Bereich oder in der künstlichen Intelligenz kann ich mir gut vorstellen.» Gleichzeitig denkt sie darüber nach, ihr Pensum irgendwann wieder leicht zu reduzieren, vielleicht auf 80 oder 90 Prozent. Auch hier gilt für sie: «Stillstand ist keine Option.»

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Securitas Cornelia Althaus

Foto: Aniela Lea Schafroth

 

Cornelia Althaus


Cornelia Althaus kommt 1973 im Kanton Aargau zur Welt. Nach einer kaufmännischen Lehre bei der Gemeindeverwaltung Teufenthal beginnt sie ihre Berufslaufbahn als kaufmännische Angestellte bei der Dreier AG in Suhr. 1994 wechselt sie in die Westschweiz, wo sie als Verkaufsmitarbeiterin bei der Socapel SA in Penthaz tätig ist und nebenbei das «Diplôme de Langue Française» erwirbt. 1995 kehrt sie in die Deutschschweiz zurück und nimmt eine Stelle als Sachbearbeiterin im Marketing bei der «Hero» in Lenzburg an. 

Nach einem weiteren Sprachaufenthalt in Paris sowie dem Abschluss des «Diplôme Supérieur d‘Études Françaises Modernes» im Jahr 1997 tritt sie als Sachbearbeiterin Ausbildung bei der Securitas AG in Zollikofen ein – eine Position, die den Grundstein für eine langjährige und vielschichtige Karriere im Unternehmen legt. In den folgenden Jahren entwickelt sie sich kontinuierlich weiter: von der Teamleiterin und HR-Assistentin über die Leiterin GL-Sekretariat (ab 2000) bis zur Assistentin des Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Parallel dazu erweitert sie ihre Qualifikationen durch das «CAS Digital Office Management» (2021), das «Certified Project Management Associate IPMA Level D» (2024) sowie das «CAS General & Security Management» (2025). 

Heute ist sie nach wie vor als GL-Assistenz tätig und leitet den Fachbereich Managementsupport inklusive den Bereich Personelles der Management Services. Althaus ist seit 25 Jahren verheiratet und Mutter zweier Kinder.

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Christine Bachmann ist die Chefredaktorin von Miss Moneypenny.

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