Alarmzeichen erkennen

Wann ist viel zu viel?

Assistenz zu sein ist ein herausfordernder Job. Oft denkt man: Wie schaffe ich es, alles unter einen Hut zu bringen und mich zu bewähren? In der Regel findet man seinen Weg, aber manchmal springt bei zu hoher Belastung das Frühwarnsystem an. Welche Zeichen das sind und wie Sie dagegen ankommen können…

Plötzlich oder schleichend schläft man schlecht, ist dünnhäutig, gereizt, wenig belastbar oder nicht motiviert. Ausgerechnet in arbeitsintensiven Zeiten geschieht dies oft – in denen eigentlich ein energievolles Arbeiten gewünscht wäre.  

Anfangs trägt man diese Alarmzeichen eine Zeitlang mit und findet keine Lösungen, die zufriedenstellend sind, denn: der Alltag sollte weitergehen. Die nächsttiefere Stufe führt mitunter zu Blockaden oder der Körper reagiert mit einer Krankheit, welche zu einem Halt zwingt, den sich niemand wünscht. Es ist also essenziell, frühzeitig nach Lösungen zu suchen. 

In der Opferrolle

Eine Klientin schlief nicht mehr, zweifelte an sich und wollte eigentlich nicht mehr zur Arbeit. Sie fühlte sich in ihrem Arbeitsumfeld in der Opferhaltung. Der Grund: Sie hatte den Eindruck, sie würde von ihrem Vorgesetzten übergangen und ungerecht behandelt. Es half auch nicht, dass er sich allen Teamkolleginnen und -kollegen gegenüber so verhielt. 

Wir begaben uns in den Prozess miteinander, erarbeiteten als erstes ihr Ziel – wo möchte sie hin –, lösten die negativen Emotionen auf, installierten dann einen Ressourcenort, an dem sie jederzeit Energie tanken kann. 

Ein Ressourcenort ist ein persönlicher Ort, den man bereits kennt, aus dem man Kraft schöpft und der mit einem besonders energiereichen Erlebnis verbunden ist. Wir alle tragen solche Orte oder Erlebnisse in uns und es gilt sie zu aktivieren und zu verankern. So, dass wir auf ihre Qualität jederzeit zugreifen können, was in Stresssituationen unglaublich hilfreich sein kann. 

Im weiteren Verlauf war es auch wichtig, die eigenen Bedürfnisse gut zu kennen und formulieren zu können. So kann man diese besser anderen Personen mitteilen und im Idealfall eine Veränderung im Verhalten erzielen. Die Klientin suchte schliesslich das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten. 

Zwischen den Stühlen

Eine andere Klientin arbeitete für zwei Chefs. Sie stand ständig unter Druck, denn meistens wollten beide gleichzeitig etwas von ihr und sie wollte keinen enttäuschen. Sie war unglaublich müde von diesem steten Hin und Her und fühlte sich häufig überfordert. Es stellte sich heraus: ihr fällt die Abgrenzung schwer. 

In einem ersten Schritt sollte man sich darin üben, einen gedanklichen Schutz zu errichten, um eine Entscheidung fällen zu können, was nun Priorität hat. Dabei kann man zum Beispiel einen symbolischen Regenschirm bei sich auf dem Pult aufstellen. Das bedeutet: stellt man fest, dass die Überforderung naht, schaut man auf den Schirm, atmet tief durch und macht eine kleine Pause, um sich zu sortieren. Der Besuch des Ressourcenortes kann hier speziell hilfreich sein, um zur Ruhe zu kommen und sich zu erden. Was auch helfen kann ist folgende Übung: 

  • Sie platzieren einen Finger ca. 15 Zentimeter vor Ihrem Gesicht und richten den Blick darauf. Nachdem Sie diesen für ca. fünf Sekunden fixiert haben, fokussieren Sie ein Zielobjekt, das ca. drei Meter oder mehr in der Ferne liegt. Dann wechseln Sie alle fünf Sekunden zwischen dem nahen und dem fernen Objekt. Dies machen Sie für 20 bis 60 Sekunden. Durch diesen Blickwechsel kommt es zu einer Regulation des emotionalen Erregungslevels, Herzfrequenz und Blutdruck sinken, während die Herzfrequenzvariabilität steigt und sich dadurch besser an Ihre mentalen Herausforderungen anpassen kann. 

Im weiteren Verlauf ist es auch wichtig zu lernen, «Nein» zu sagen. Hier kann ein Coaching unterstützend helfen. 

Fazit

Meist ist der unvorteilhafteste Ausgang solcher Situationen zu kündigen, ohne eine Lösung gesucht zu haben. Denn wenn man nicht versucht, diese Probleme zu lösen, stösst man häufig in zukünftigen Jobs – oder auch im Privatleben – wieder darauf. Die Lösungen zu Herausforderungen liegen in uns, denn viel muss nicht zu zu viel werden. 

 

 

Der Test: Wie belastet sind Sie?

 

Es gibt eine einfache Übung, wann ein Coaching notwendig wäre: Messen Sie Ihr Anliegen in Kilos. Wie schwer wiegt es auf einer Waage von 0 bis 100 Kilogramm? Meist kann man Themen bis 50 Kilogramm gut selbst stemmen oder Lösungen finden sich von selbst. 

Ab 50 Kilogramm sind die Anliegen aber schon ziemlich schwer und es lohnt sich in einer Begleitung zu zweit Lösungswege zu finden. Dies verhindert «Rückenschäden» und man kann die neutrale Haltung, Fachkompetenz und den vertraulichen Rahmen des Coachs für sich nutzen. Ab 85 Kilogramm ist man vermutlich bei einer ärztlichen Fachperson am besten aufgehoben.

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Carmen Peter ist Betriebliche Mentorin mit eidg. Fachausweis, Systemischer- und Life Balance Coach, emTrace® Coach, Referentin, Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation und der Lebensjahrsiebte. 
carmenpeter.ch
 

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