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Digitale Touchpoints leicht gemacht: Teil 2

Auch bei kleinen Veranstaltungen wie Teamevents, Schulungen oder Firmenfeiern können digitale Helfer entscheidend sein. Im zweiten Teil berichtet Gastautorin Anja De Lorenzo, wie man bei der Eventplanung technische Stolperfallen vermeidet.

Die Zukunft der Veranstaltungsorganisation ist digital, aber nicht im Sinne technischer Überforderung, sondern im Sinne kluger Vereinfachung. Was heute mit Online-Formularen und E-Mail-Automatisierungen beginnt, wird in den nächsten Jahren durch künstliche Intelligenz (KI), Datenanalyse und smarte Tools weiterwachsen.

Schon heute können einfache KI-gestützte Systeme Texte für Einladungsschreiben, Erinnerungen oder Dankes-Mails automatisch personalisieren. Chatbots auf Event-Websites beantworten häufige Fragen, ohne dass jemand rund um die Uhr erreichbar sein muss, und KI-Tools wie ChatGPT oder Notion AI helfen bei der Programmplanung oder der Erstellung von Workshop-Agenden.

Im Hintergrund wird Datenanalyse (Analytics) zunehmend wichtiger. Selbst kostenlose Tools wie Google Analytics oder Eventbrite-Reports zeigen, wann Teilnehmende sich anmelden, welche Mails am besten ankommen oder wie viele Personen abspringen. Wer diese Daten richtig liest, kann künftige Veranstaltungen gezielter planen und Ressourcen effizienter einsetzen und generiert so einen echten Zugewinn für kleine Teams.

So hilfreich digitale Tools im Eventalltag sind, bringen sie auch neue Stolpersteine mit sich. Wer digitale Lösungen einführt, sollte wissen, worauf es ankommt. Denn zwischen smart und stressig liegt oft nur ein Klick. 

Technik im Veranstaltungsalltag absichern 


Gerade im Alltag kleiner Veranstaltungen zeigt sich, wie robust digitale Helfer wirklich sind. Häufig werden neue Check-in-Lösungen, Abstimmungs- oder Feedbacktools direkt am Veranstaltungstag eingesetzt, ohne sie vorher mit einer kleinen Testgruppe durchgespielt zu haben. Sinnvoll ist es, einige Tage vor dem Event mit wenigen Teilnehmenden einen kompletten Ablauf zu simulieren – von der Einladung über die Anmeldung bis zur Auswertung –, um Funktionen, Benutzbarkeit und Schnittstellen unter realistischen Bedingungen zu prüfen.

Ein weiterer Stolperstein sind fehlende Zugriffsrechte im Team. Wenn nur eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter die Admin-Zugänge oder entscheidenden Passwörter kennt, können selbst kleine Anpassungen am Programm, an der Teilnehmerliste oder an automatisierten E-Mails ins Stocken geraten. Besser ist es, für zentrale Systeme wie Anmelde-Tool, E-Mail-Versand und Präsentationsplattform jeweils mindestens zwei Verantwortliche zu benennen und vor dem Event sicherzustellen, dass alle benötigten Log-ins, Berechtigungen und Freigaben tatsächlich funktionieren. 

Datenschutz zuerst 


Sobald persönliche Daten ins Spiel kommen – sei es bei der Anmeldung, beim Feedback oder beim Newsletter – gilt in der Schweiz seit September 2023 das neue Datenschutzgesetz. Das bedeutet: nur jene Daten abfragen, die wirklich notwendig sind, und Teilnehmende transparent darüber informieren, wofür und wie sie verarbeitet werden. Viele Tools, etwa Eventbrite oder SurveyMonkey, bieten mittlerweile datenschutzkonforme Einstellungen. Wichtig ist, diese aktiv zu prüfen und im Zweifel lieber ein Tool mit Serverstandort in der Schweiz oder der EU zu wählen. Klare Zuständigkeiten, sichere Passwörter und ein sorgfältiger Umgang mit Teilnehmerlisten schützen vor Datenpannen. 

Tool-Flut vermeiden 


Eine weitere Gefahr ist die wachsende Zahl an Einzellösungen. Viele Teams nutzen heute gleichzeitig fünf oder mehr Plattformen: eine für Anmeldungen, eine für E-Mails, eine für Abstimmungen. Das spart kurzfristig Aufwand, kostet langfristig aber Übersicht. Sicherer sind integrierte Systeme, etwa All-in-One-Plattformen oder Anwendungen, die Daten automatisch synchronisieren. 

Akzeptanz im Team sichern 


Nicht jede Kollegin und nicht jeder Kollege ist gleich begeistert von neuen Tools. Besonders in kleinen Organisationen entscheidet die Akzeptanz im Team über Erfolg oder Misserfolg digitaler Prozesse. «Wenn die Check-in-App niemand benutzt, hilft die beste Technik nichts», bringt es ein Eventkoordinator aus Basel auf den Punkt. 

Deshalb gilt: Kommunizieren Sie Veränderungen transparent, bieten Sie kurze Erklärvideos an und führen Sie digitale Anwendungen zunächst optional ein. Erfolgserlebnisse, etwa eine schnellere Anmeldung oder weniger Rückfragen, wirken dabei oft überzeugender als jede PowerPoint-Präsentation. 

Technische Abhängigkeit minimieren 


Auch die schönste Eventsoftware nützt nichts, wenn das WLAN ausfällt. Wer digitale Tools nutzt, sollte immer einen Plan B haben: offline abrufbare Gästelisten, ausgedruckte QR-Codes oder vorbereitete Checklisten. Ein durchdachter Notfallplan gehört zu jedem professionellen Eventmanagement.

Das Internet der Dinge (IoT) bringt zudem neue Ideen in die Praxis: Sensoren in Veranstaltungsräumen könnten künftig automatisch Licht, Temperatur oder Ton anpassen. Digitale Namensschilder könnten Besucherinnen und Besucher zu relevanten Sessions leiten. Und wer weiss, vielleicht buchen sich Gäste bald per Wearable selbst ins nächste Gruppenfoto ein. 

Doch bei aller Zukunftsmusik bleibt eines zentral: Technologie ersetzt nicht das persönliche Erleben. Gerade in einer Zeit, in der vieles virtuell geworden ist, steigt der Wert echter Begegnungen. Digitale Tools sollen diese nicht verdrängen, sondern unterstützen, indem sie den Kopf für Inhalte, Gespräche und das Miteinander freimachen. 

Für Assistenzen und Eventorganisatorinnen bedeutet das vor allem: Die Schwelle, professionell zu arbeiten, war noch nie so tief – es braucht keine grosse Eventagentur, um mit digitalen Touchpoints zu überzeugen, sondern nur den Mut, den ersten Schritt zu machen. Vielleicht ist genau das der entscheidende Wandel: Digitalisierung im Eventmanagement heisst nicht mehr, mit der Technik Schritt zu halten, sondern sie so zu nutzen, dass Menschen sich leichter begegnen können. 

Fazit 

Digitale Tools sind also kein Selbstläufer. Sie funktionieren nur dann reibungslos, wenn Menschen sie mitdenken – organisatorisch, rechtlich und technisch. Die gute Nachricht: Wer diese Hürden kennt und vorbereitet, wird schnell merken, dass sich der Aufwand lohnt. Denn Digitalisierung bedeutet nicht Perfektion auf Knopfdruck, sondern Vereinfachung im richtigen Mass.



Im ersten Teil lesen Sie, wie Sie mit einfachen digitalen Tools den Überblick behalten.

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Dr. Anja De Lorenzo begleitet Museen und Kulturorganisationen dabei, Besuchserlebnisse nutzerzentriert und ganzheitlich zu gestalten – von der ersten Interaktion bis zu Events, die begeistern. Ihr Schwerpunkt liegt auf Strategie, Erlebnisdesign und der Einführung moderner Veranstaltungs- und CRM-Lösungen.
delorenzo-museum-management.com
 

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