Premium Icon Special: Quereinstieg

Mit der richtigen Bewerbung zum erfolgreichen Quereinstieg

Ob neue Branche, neue Funktion oder erstmalige Führungsverantwortung: Worauf kommt es in der Bewerbung an, damit der Quereinstieg gelingt? Das zeigt diese persönliche Geschichte mit konkreten Beispielen, Formulierungen und Vorher-nachher-Texten. 

Wer sich einen beruflichen Wechsel wünscht, sieht sich einer besonderen Herausforderung gegenüber: Der eigene Lebenslauf passt nicht perfekt auf die gewünschte Stelle. Denn vielleicht fehlt genau die berufliche Erfahrung, die geforderte Ausbildung oder das Branchenwissen.   

Ich weiss genau, wie sich das anfühlt. Nach meiner Verwaltungslehre arbeitete ich als Assistentin in der kantonalen Verwaltung. Doch nach einer Weltreise war mir klar: Ich will in den Tourismus! Alle sagten mir, das sei ohne Hotelfachschule unmöglich. Ich versuchte es trotzdem – und wurde genommen.  

Doch das war nur der Beginn vieler Neuanfänge. Denn nach dem Tourismus bin ich ins Marketing, dann in die Erwachsenenbildung und schliesslich ins HR quereingestiegen. Dabei fehlten mir immer die gewünschte Berufs- oder Branchenerfahrung sowie die geforderte Aus- oder Weiterbildung. 

Wie ist es mir dennoch gelungen? Ich habe meine Bewerbung als Türöffner benutzt und die folgenden vier Tipps entwickelt und umgesetzt: 

Tipp 1: Den Blick der HR-Personen steuern 


Die allermeisten Personalverantwortlichen öffnen zuerst den Lebenslauf, noch bevor sie Motivationsschreiben oder Deckblatt lesen. Das ist durchaus verständlich, aber gerade beim Quereinstieg hinderlich. Denn im Lebenslauf steht oft, was nicht perfekt passt: die fehlende Branchenerfahrung, eine andere Ausbildung oder ein bisheriges Tätigkeitsfeld, das wenig mit der neuen Rolle zu tun hat. 

Darum lohnt es sich, den Blick gezielt zu lenken. Das gelingt, indem die Bewerbung als ein einziges PDF verschickt oder hochgeladen wird. Dabei zeigt das PDF diese Reihenfolge: 

  • Deckblatt
  • Anschreiben
  • Lebenslauf

Auf diese Weise muss sich die HR-Person zuerst mit dem Deckblatt und dem Anschreiben befassen, bevor sie beim Lebenslauf landet. Und genau das ist der entscheidende Moment: Die Bewerbung erzählt zuerst die eigene Motivation, bevor sie den Lebenslauf liefert.

Tipp 2: Mit dem Deckblatt überraschen 


Mit dem neuen Aufbau der Bewerbungsunterlagen fällt der Blick also zuerst auf das Deckblatt. Dabei sollte dieses mehr sein als nur Zierde. Hier darf Kreativität sichtbar werden.  

Zudem bietet das Deckblatt die perfekte Möglichkeit, Parallelen des Profils zur gewünschten Stelle aufzuzeigen. Zum Beispiel mit einem (visuellen) Bezug zur Branche, zur Firma, zum Produkt oder zu einem Element, das die bewerbende Person selbst ins Zentrum rückt. 

Wichtig ist nur eines: Das Deckblatt soll positiv überraschen und zum Weiterlesen einladen. Wie das konkret gehen kann, zeigt folgendes Beispiel:

Anna arbeitete als Assistentin und wollte unbedingt ins Marketing eines grossen Detailhandelsunternehmens wechseln. Sie hatte weder eine Ausbildung noch Erfahrung in diesem Bereich, dafür viel Gespür für Kommunikation, Gestaltung und Trends. Für ihre Bewerbung gestaltete sie das Deckblatt als Collage mit ihren Lieblingsprodukten des Unternehmens: Joghurt, Shampoo, Mineralwasser, Schokolade – alles aus dem eigenen Sortiment. Darunter schrieb sie sinngemäss: «Ich kenne Ihre Produkte seit Jahren, als Kundin, als Fan und als Beobachterin Ihrer fabelhaften Kampagnen. Genau dieses Gespür für Marke und Wirkung möchte ich einbringen, damit die Leute ihren Einkaufswagen bei Ihnen füllen.» Im Anschreiben ergänzte sie, dass sie sich im Bereich Marketing weiterbilden wolle, Freude an Text und Bild habe und sich schon lange wünsche, kreative Konzepte mitzugestalten.  Die Reaktion des Detailunternehmens? Anna wurde sofort eingeladen.

Tipp 3: Eine starke Hin-zu-Motivation formulieren 


Hat das Deckblatt für Aufmerksamkeit gesorgt, sollte es so auch im Anschreiben weitergehen. Mit Standardformulierungen wie «Ihr Stelleninserat hat meine Aufmerksamkeit geweckt» oder «Ich suche eine neue berufliche Herausforderung» kommt man hier allerdings nicht weit.  

  • Viel zielführender ist es, die Hin-zu-Motivation zu formulieren:
  • Was spricht mich an der Firma, den Produkten, den Dienstleistungen an?
  • Was konkret reizt mich an der Stelle, an den Aufgaben?
  • Was gefällt mir an der Branche, dem Umfeld?
  • Was motiviert mich konkret zu dieser Bewerbung?  
  • Habe ich bereits einen persönlichen Bezug zum Unternehmen, zu den Produkten, zu den Dienstleistungen oder zur Branche?

Dabei ist es entscheidend, möglichst konkret zu schreiben und sich nicht in Floskeln und Standardsätzen zu verlieren. 

Wichtig: Nicht nur bei der Hin-zu-Motivation lohnen sich konkrete und beispielhafte Formulierungen. Das gilt für das gesamte Anschreiben. Wer hier die wichtigsten Parallelen zur gewünschten Stelle gekonnt und floskelfrei hervorhebt, erhöht seine Chancen auf das Vorstellungsgespräch deutlich.

  • Vage: Ich suche eine neue Herausforderung und bin dabei auf Ihr Stelleninserat gestossen.  
    Konkret: Seit Jahren lese ich Ihre Stelleninserate. Anfangs nicht etwa, weil ich selbst suchte, sondern weil sie sprachlich herausstechen. Nun möchte ich gern als HR-Assistentin an dieser Wirkung mitarbeiten.
  • Vage: Sie suchen eine proaktive, kundenorientierte Mitarbeiterin? Das bin ich! 
    Konkret: Ihre Kaffeemaschine kenne ich bereits, denn sie steht auch bei mir zu Hause. Jetzt möchte ich gern im Marketing dafür sorgen, dass sie in Zukunft in noch mehr Haushalten für feinen Kaffeeduft sorgt.  
  • Vage: Ihr Stelleninserat hat mich sofort angesprochen. Genau so eine Stelle suche ich.  
    Konkret: Ein fünfköpfiges Sekretariats-Team, ein Arbeitsplatz mitten in der City und ein technisches Produkt, das täglich auf Schweizer Baustellen im Einsatz ist: Hier möchte ich mich gern einbringen. 

Tipp 4: Den Lebenslauf richtig aufbauen 


Nicht nur das Deckblatt und das Anschreiben, auch der Lebenslauf sollte beim Quereinstieg gezielt aufgebaut sein. Viele Bewerbende listen hier ihre bisherigen Stationen einfach chronologisch auf. Und zwar unabhängig davon, ob sie für die neue Stelle relevant sind oder nicht.  

Beim Quereinstieg ist das jedoch hinderlich. Denn das Ziel ist, den Blick erneut zu steuern, diesmal im Lebenslauf selbst. Wer sich in eine neue Branche oder Funktion bewirbt, sollte sich daher fragen: Welche Elemente meines Profils zeigen die grösste Nähe zur neuen Rolle, und wie bringe ich sie nach vorn?

Das können sein: 

  • Sprachkenntnisse, wenn internationale Kontakte gefragt sind
  • Fachkenntnisse oder Softwarekenntnisse, die in der neuen Branche wichtig sind
  • Aus- oder Weiterbildungen, die gezielt auf die neue Funktion vorbereiten
  • Zitate oder Aussagen aus Zeugnissen, die Schlüsselkompetenzen belegen 

Ein Beispiel: Eine Bewerberin möchte aus der Administration in die HR-Assistenz wechseln. Sie hat zwar noch nie im HR gearbeitet, aber bereits die Weiterbildung zur HR-Assistentin abgeschlossen. In diesem Fall gehört die Weiterbildung auf die erste Seite – noch vor die Berufserfahrung. Denn sie zeigt sofort: Diese Person ist bereits auf dem richtigen Weg.   

Fazit 

Wer die eigenen Qualitäten und Stärken mit einer durchdachten Bewerbung zeigt, kann auch ohne «perfekten» Lebenslauf überzeugen. Denn oft sind es nicht die geraden Wege, die ans Ziel führen – sondern jene, die mit Persönlichkeit, Mut und Strategie gegangen werden.

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Andrea Kern zeigt Stellensuchenden, wie sie sich kreativ und mit Stil von ihren Mitbewerbenden abheben können. Sie ist Inhaberin von Wort & Stil: kreative Bewerbungen und Texte, ehemalige Leiterin Personaldienst, HR-Fachfrau und Ausbilderin mit eidg. Fachausweis sowie PR-Redaktorin.
wortundstil.ch

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