Reihe: Wie funktioniert mein Gehirn?

Wie Herz und Gehirn optimal zusammenarbeiten

Gastautor Dr. Claude Heini erklärt, wie die Herz-Kohärenz-Methode die Stressregulation positiv beeinflusst und somit den optimalen Umfang mit Druck und Belastung bei der Arbeit begünstigt.

Stress ist für die meisten Menschen im Arbeitsalltag gegenwärtig. Die einen nerven sich über Störungen der Kollegen und Kolleginnen, die anderen können sich aufgrund ständiger Ablenkungen nicht richtig konzentrieren. Wieder andere haben ihrer Empfindung nach einfach zu viel Arbeit auf dem Tisch, die «zu» schnell erledigt werden soll. Selbst im Homeoffice lauert der Stress, weil sich Berufliches mit Privatem vermischt und so beides nicht nach Wunsch läuft. Die Quellen von Stress sind vielfältig und ebenso individuell. Was den einen stresst, lässt die anderen kalt.

Reaktion auf Gefahr


Stressreaktionen sind in dem Sinne normal, dass unser Gehirn auf wahrgenommene Bedrohungen und Gefahren reagieren kann. Früher war das überlebensnotwendig, heute sind für die meisten Menschen im beruflichen Alltag die Auslöser von Stressreaktionen jedoch oft vergleichsweise harmlos: Das nicht erwartete E-Mail vom Chef oder von den Kunden löst Sorge aus, die Information der Unternehmung, dass gespart werden muss, löst Angst aus oder die enge Deadline für einen Auftrag ein Gefühl von Frust.

Nicht erwartete Veränderungen erzeugen Unsicherheit; werden diese Situationen im Gehirn als Bedrohung eingeschätzt, werden evolutionär ältere Hirnstrukturen aktiviert. Dieses kennt nur die drei generischen Antworten: Angriff, Flucht oder Starre.

Im Berufsalltag bedeutet das:
Angriff zeigt sich in Aggression, auch in der Kommunikation. Etwa ein «Was soll das jetzt?» reicht schon. 
Flucht bedeutet, die Situation einfach zu ignorieren und damit jedoch das Problem nicht zu lösen. 
Starre heisst blockiert zu sein und nicht klar denken zu können.

Wenn dieser Stress-Mechanismus nicht unterbrochen wird, bleibt der Körper im Stressmodus und das länger als es gesund ist. Im schlimmsten Fall kumulieren sich die Stressauslöser durch den Tag und am Abend fühlen wir uns erschöpft.

Die Herz-Gehirn-Achse als Schlüssel


Das Herz verfügt über ein eigenes Nervensystem mit etwa 40'000 Neuronen, welche – ähnliche wie im Gehirn – Informationen übertragen und verarbeiten. Zwischen Herz und Gehirn findet ein ständiger Informationsaustausch statt. Die Herzfrequenz-Variabilität, also der natürliche Rhythmuswechsel des Herzschlags, wird dabei vom autonomen Nervensystem gesteuert und steht in direkter Verbindung mit unserem emotionalen Zustand. Herz-Kohärenz bedeutet, dass Herz, Gehirn und Emotionen in einen harmonischen Rhythmus kommen.

Wenn Sie Stress erkennen und empfinden, können Sie sich beispielsweise dafür entscheiden, die Aufmerksamkeit zum Herz zu lenken und eine Herz-Kohärenz-Übung machen. Das Herz wirkt als Regulator und beeinflusst bei bewusster Aufmerksamkeit den kompletten Stressmechanismus, so dass wieder ein harmonischer Zustand eintritt. Diese Harmonisierung kann das physisch-psychische System beruhigen und so Stress reduzieren sowie Klarheit und Fokus ermöglichen.

Herz-Kohärenz-Übungen können sehr einfach sein und lassen sich auch am Arbeitsplatz durchführen.


Eine Basisübung: Setzen Sie sich aufrecht hin und legen Sie eine Hand auf Ihr Herz. Atmen Sie nun langsam und gleichmässig; etwa fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Stellen Sie sich dabei vor, wie der Atem direkt durch das Herz fliesst. Nach etwa drei bis fünf Minuten spüren viele Menschen bereits eine Beruhigung.


Der Vorteil ist, dass man nicht über Stress und dessen Ursachen nachdenken muss, sondern direkt über den Körper diesen beeinflusst. Dabei können auch gezielt positive Gefühle wie Dankbarkeit integriert werden: Erinnern Sie sich während der Übung an einen schönen Moment oder eine Person, für die Sie dankbar sind. Dies kann den positiven Effekt noch verstärken.

Fazit

Die Praxis der Herz-Kohärenz-Methode kann bei regelmässiger Anwendung zu mehr innerer Ruhe und Gelassenheit führen. Empfohlen wird, die Übung täglich zu praktizieren: idealerweise morgens, mittags und abends für jeweils drei bis fünf Minuten. Viele Anwender berichten zudem, dass sie mit der Zeit leichter intuitive Entscheidungen treffen können, ohne lange nachdenken zu müssen. Die Methode kann helfen, auch in schwierigen Situationen innere Klarheit und Stärke zu gewinnen.
 

Buchtipp: Auf Knopfdruck runterkommen

Obwohl viele unserer Handlungen und Verhaltensweisen durch un- und unterbewusste Prozesse gesteuert werden, die sich scheinbar unserer Ratio entziehen, sind wir diesen nicht hilflos ausgeliefert. Anschaulich und praktisch umsetzbar zeigt Dr. Claude Heini, wie man mit der Herz-Kohärenz-Methode auch in anspruchsvollen Situationen souverän und überzeugend agiert und Stress in Kürze reguliert werden kann.

Auf Knopfdruck runterkommen
Claude Heini
Verlag Business Village
2025, 176 Seiten

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Dr. Claude Heini ist Führungsexperte und Meister der Selbstführung. Er inspiriert Menschen, selbstverantwortlich und bewusst zu handeln und zu leben. Er vermittelt, wie Selbstführung die Möglichkeiten erhöht, wirkungsvoll zu agieren.
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