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Fünf Stufen zum Dreamteam

Viele Teamaktivitäten beginnen mit einer scheinbar harmlosen Frage: «Was würde Spass machen?» Ein Escape Room, ein Kochkurs, ein Apéro, vielleicht ein Offsite in den Bergen. Alles gut gemeint. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: Was unterhält uns? Sondern: Welche Form der Zusammenarbeit wollen wir verbessern? 

Patrick Lencioni beschreibt in seinem Modell der «5 Dysfunktionen eines Teams», woran Zusammenarbeit häufig scheitert: fehlendes Vertrauen, Angst vor Konflikten, mangelndes Commitment, fehlende gegenseitige Verantwortung und zu wenig Fokus auf gemeinsame Ergebnisse. Für Assistenzen ist dieses Modell besonders wertvoll. Denn sie sind oft nahe genug am Team, um Spannungen früh zu spüren – und gleichzeitig organisatorisch stark genug, um gezielt Erlebnisse zu schaffen, die mehr bewirken als ein netter Nachmittag.  

Stufe 1: Vertrauen – die Basis für Offenheit 


Lencioni meint mit Vertrauen nicht Sympathie oder blindes Zutrauen. Es geht um «Vulnerability-based Trust»: die Fähigkeit, Schwächen, Fehler und Unsicherheiten zeigen zu dürfen, ohne Gesichtsverlust zu riskieren. Erst wenn Menschen sich nicht ständig schützen müssen, entsteht echte Zusammenarbeit. 

Drei Formate, die Vertrauen fördern: 

Die persönliche Landkarte: Jedes Teammitglied erzählt in drei Minuten von drei prägenden Stationen im Leben. Wichtig: freiwillig, respektvoll und ohne Voyeurismus.

My User Manual: Alle erstellen ein kurzes «Benutzerhandbuch» über den eigenen Arbeitsstil: Wie kommuniziere ich am liebsten? Was brauche ich, um gut zu arbeiten? Was stresst mich? Das Ergebnis wird präsentiert und im Team geteilt.

Storytelling-Workshop: Wenn eine Führungskraft offen über ein berufliches Scheitern spricht, senkt das die Hemmschwelle für andere. Der Rahmen muss sicher sein – ein vertrauliches Offsite eignet sich besser als ein hektisches Sitzungszimmer. 

Stufe 2: Konfliktbereitschaft – Reibung erzeugt Klarheit 


Gute Teams vermeiden Konflikte nicht. Sie führen sie sachlich. Das klingt einfacher, als es ist. Viele Teams bleiben aus Höflichkeit vage, bis Frust entsteht. Gezielte Übungen können helfen, Widerspruch als Beitrag zur besseren Lösung zu verstehen. 

Drei Formate für produktive Konflikte: 

Der Advocatus Diaboli: In Meetings übernimmt eine Person bewusst die Rolle, Annahmen und Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. 

Premortem-Analyse: Zu Beginn eines Projekts stellt sich das Team vor, das Projekt wäre bereits krachend gescheitert. Das Ziel dieser «vorausschauenden Rückschau» ist, blinde Flecken und Risiken zu identifizieren und zu diskutieren, die bei einer klassischen Planung oft übersehen werden. 

Challenge unter Zeitdruck: Escape Room, Koch-Challenge oder Expedition zeigen schnell, wie ein Team mit unterschiedlichen Meinungen umgeht. Entscheidend ist nicht die Aktivität, sondern das Debriefing: Wer sprach? Wer schwieg? Wie wurden Entscheidungen getroffen? 

Stufe 3: Engagement – Verbindlichkeit schaffen 


Engagement bedeutet nicht, dass alle gleicher Meinung sind. Es bedeutet: Nach der Diskussion ist klar, was entschieden wurde, wer was übernimmt und wie nach aussen kommuniziert wird. Ohne diese Klarheit entstehen Parallelwelten. 

Drei Formate für mehr Commitment: 

Das «Closing-Ritual»: Am Ende jedes Meetings werden drei Fragen beantwortet: Was haben wir entschieden? Wer macht was bis wann? Was kommunizieren wir wie weiter? 

Gemeinsame Projektplanung: Statt dass der Teamlead alles allein vorbereitet, plant das Team gemeinsam Ziele, Rollen, Ressourcen, Risiken und nächste Schritte. Ein gutes Tool hierzu ist die von Stefano Mastrogiacomo entwickelte «Team Alignment Map». 

Teamvertrag: In einem Kick-off oder Teammeeting definiert das Team seine «Ins and Outs»: Welches Verhalten hilft uns? Was akzeptieren wir nicht mehr? Kurz, konkret, schriftlich festgehalten.

Stufe 4: Gegenseitige Verantwortlichkeit – Peer-to-Peer-Kontrolle 


Diese Stufe ist schwierig, aber entscheidend. In starken Teams sprechen sich Mitglieder gegenseitig an, wenn Verhalten, Qualität oder Verlässlichkeit dem gemeinsamen Ziel schaden. Das braucht Übung, sonst wird Feedback schnell persönlich oder bleibt ganz aus. 

Drei Formate, um Verantwortung einzufordern: 

Feedback-Runden: Jedes Teammitglied beantwortet zwei Fragen: «Was schätze ich an deiner Zusammenarbeit?» und «Womit könntest du das Team noch stärker unterstützen?» Im Team oder Zweiergruppen, auch als Walk-and-Talk möglich. 

Accountability Check-ins: Basierend auf dem «Crucial Accountability»-Ansatz führen Zweiergruppen regelmässige Kurzgespräche. Fokus: «Was habe ich versprochen? Was habe ich gehalten? Wo brauche ich Hilfe?» 

Kettenreaktion bauen: Eine Rube-Goldberg-Maschine macht Abhängigkeiten sichtbar. Diese physische Abhängigkeit schult das Bewusstsein für die eigene Verantwortung gegenüber dem Ganzen, macht Spass und fördert effektive Kommunikation und Zusammenarbeit. 

Stufe 5: Ergebnisorientierung – weniger Ego, mehr wir 


Zur Spitze der Pyramide. Hier geht es darum, die kollektiven Ergebnisse über die persönlichen Ziele oder die Ziele der eigenen Abteilung zu stellen. Ergebnisorientierung zeigt sich daran, was gefeiert, gemessen und besprochen wird. 

Drei Formate für den Fokus auf’s Ganze: 

Das «Team-Scoreboard»: Ein visuelles Board im Büro (oder digital) zeigt Meilensteine des gesamten Teams, nicht nur Einzelleistungen. 

Anerkennung und Wertschätzung: (Zwischen-) Erfolge werden gefeiert und bei Pleiten wird gemeinsam ein «Loser»-Bier getrunken und der Misserfolg offen ausgewertet.

Mini-Hackathon: Das Team löst in einem halben Tag ein konkretes betriebliches Problem oder entwickelt ein Konzept. Ideal ausserhalb des gewohnten Umfelds und mit klarem Output als Vorgabe.

Die Rolle der Assistenz  


Assistenzen haben in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Sie sehen oft früh, wo die Pyramide wackelt: sinkende Stimmung, Lagerbildung, endlose Diskussionen, ignorierte Deadlines oder ein Team, das zwar freundlich ist, aber nichts entscheidet. Genau hier können Assistenzen Wirkung erzielen.

Das bedeutet nicht, dass die Assistenz zur Therapeutin des Teams wird. Aber sie kann die richtigen Fragen stellen, passende Formate vorschlagen, Führungskräfte sensibilisieren und Teamaktivitäten so planen, dass sie auf ein echtes Bedürfnis einzahlen. Je näher eine Aktivität an der Teamrealität ist, desto grösser der Transfer in den Arbeitsalltag. 

Fazit: Erst Diagnose, dann Erlebnis 

Wer die nächste Teamaktivität plant, sollte nicht mit der Location beginnen, sondern mit der Diagnose: 

  • Brauchen wir mehr Vertrauen?
  • Vermeiden wir Konflikte?
  • Fehlt Verbindlichkeit?
  • Übernimmt niemand Verantwortung?
  • Denken alle zuerst an sich selbst?  

Die Antwort bestimmt das Format. Teamwork entsteht nicht allein durch einen gelungenen Anlass. Es entsteht durch wiederholte, bewusst gestaltete Momente, in denen Menschen anders miteinander arbeiten als sonst. 

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Roman Merkt ist Unternehmer und Agenturinhaber der Event- & Kommunikationsagentur «VMP experiences AG», besitzt über 25 Jahre Erfahrung in der Führung interkultureller Projektteams sowie globaler Meetings, Events und Kommunikationsprojekte. Seine Kernkompetenzen sind Leadership und Teamentwicklung, internationales Projektmanagement sowie Meeting & Communications Design. 
vmp-ag.ch

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